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60 Jahre Tagesschau – Neue Wege für einen Dinosaurier

Die Tageschau startete 1952. Nach den Kriegsjahren und der schwierigen Wiederaufbauzeit war die Sendung ein Quantensprung. Sie öffnete uns als scheinbar objektiver Leuchtturm den Blick hinaus in die Welt. Die Tagesschau war der Versuch, neutral über Politik zu berichten und damit die Demokratie zu stützen.

Sie brachte das Wirtschaftswunder auf die Bildschirme – und war von Beginn an eine Institution, wenn auch eine sehr elitäre. Denn anfangs hatten nur 2000 Haushalte überhaupt einen Fernseher. Mit wachsender Geräte- und Zuschauerzahl wurde die Tagesschau populär und zum Leitmedium mehrerer Generationen. Es war die Sendung, die man abends gesehen hat. Das Sinnbild des deutschen Staates.

Das ist heute nicht mehr so. Ein Fernseher gehört zur Grundausstattung und die jüngere Generation hängt gleichzeitig am Second Screen. Und während früher nur wenige Fernsehmacher eine Stimme hatten, fühlt sich heute jeder Einzelne wichtig.

Wir Zuschauer haben nicht nur gelernt, medienkritisch zu sein. Wir sind zu Programmdirektoren geworden. Und als diese stellen wir fest, dass die Tagesschau sich ändern muss, um im Programm zu bleiben.  Aber wie?

Momentan ist die Sendung ein Barometer unseres öffentlichen Bewusstseins. Hier können wir ablesen, wie es uns geht. Das Auswahlkriterium der Themen lautet „Bad stories are good stories“. Gemalt wird ein undurchschaubares Bild von Wirkungszusammenhängen, inszeniert als Passivität. So kommt niemand ins Handeln und das System erhält sich selbst. Alles bleibt intransparent und wir bleiben Opfer.

Doch das Internet hat uns gelehrt, dass man anders erzählen kann. Spannend, persönlich, berührend. Deshalb hat die Todesstunde des neutralen Berichts geschlagen. Abzubilden, was (nicht) läuft, reicht nicht mehr. Vor allem nicht, wenn das Publikum weiß, dass es Möglichkeiten hat, die Realität zu verändern. Nicht umsonst hat jeder zweite Pinterest-User ein Inspiration-Board und der politisch Interessierte einen Twitter-Account. Wir wollen auch die „good stories“ hören, wohlwissend, dass alles andere eine einseitige Berichterstattung ist.

Die Tagesschau kann ihren Leitanspruch nur dann erneuern, wenn sie Vorbilder findet. Länder, die ihre Probleme innovativ lösen. Politiker, die neue Wege gehen. Communities, die sich engagieren und etwas bewegen. Wenn die Tagesschau uns dabei hilft, unsere Gegenwart zu verbessern, bleibt sie relevant. Denn wir haben schon längst den gedanklichen Sprung hinbekommen unsere gefühlte Lebensqualität von den hohlen Phrasen der Politiker abzukoppeln und verlangen nach Mehr.

Um dieses Mehr zu leisten, braucht die Tagesschau mehr Sendezeit. Sie muss die Geschichten von Protagonisten erzählen. Hintergründe darstellen und Zukunftsoptionen aufzeigen.

Denn wir wollen durch die Tagesschau nicht länger nur informiert werden. Wir wollen dazulernen und begreifen. Wir wollen die Demokratie mitgestalten. Und wir wollen eine Sendung, die uns dabei hilft.

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