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Die Statustheorie

Spätestens, seit es facebook gibt, wissen wir alle genau, was Status ist. Es ist das Feld, in das ich eintragen kann, was ich gerade erlebe und wie es mir geht. Interessanterweise schreiben die Menschen aber eigentlich immer dasselbe. Manche über ihre Arbeit, andere über ihre Kinder, wieder andere über ihre Haustiere. Spannend ist aber gar nicht unbedingt, worüber sie schreiben, sondern vor allem wie. Denn eine Statusmeldung wird von den meisten nur benutzt, wenn sie gerade eine Statusveränderung erleben.

Abreise in den Urlaub, Autokauf, ein leckeres Essen, frisch verliebt, ein kaltes Bier in der heißen Mittagssonne, Kinder, die ihre ersten Schritte machen. Alles Statuserhöhungen – oft begleitet von großer Zeigefreudigkeit. Andere User sind da offensiver: Sie posten, wenn ihr Kind auf der „richtigen“ Schule angenommen wird und im „richtigen“ Chor singt. Oder sie gehen noch weiter und zeigen uns Bilder, wie sie neben teuren Autos stehen oder knappe Bikinis tragen – auch ein schlanker Körper kann ja einen Status ausdrücken. Aber Vorsicht: Zu viel Statusbewusstsein grenzt einen von anderen Usern ab, erhöht den Neidfaktor und gibt Minuspunkte auf der Menschlichkeitsskala. Social Networking heißt eben auch, dass man den richtigen (Status)-ton anschlägt. Protzen geht auf Dauer genauso daneben, wie sich auf einzelne Attribute zu beschränken (wer hat sie nicht – die eine Frau um die 40, die ständig Fotos von sich in sexy Posen postet). Aber aufgepasst – DAS ist keine Story, die wir auf Dauer interessant finden. Es ist auch kein Storytelling, weil es keine Entwicklung gibt. Sondern eher die „Mein Pferd, mein Auto, mein Haus“-Nummer in der Dauerschleife.

Dann gibt es noch die Kategorie Katastrophenmeldungen. Unfall, Krankheit, betrunkener Sohn, verschollene Tochter, Handy verloren, Auto geklaut. Auch eine Art von Statusveränderung – und dazu noch eine, die viel Aufmerksamkeit erregt. Facebook-User, die so etwas häufig posten, bekommen aber immer weniger „Gefällt mir“ für ihr Privatchaos. Ihr Status gegenüber anderen Usern leidet und sie werden im Ansehen der fb-Gemeinschaft downgegradet. Auf Dauer gewinnt bei facebook eben nur, wer in seinem Status glaubhaft deutlich macht: ich bin mit mir im Reinen und habe mein Leben im Griff.

Dass das bewusste Einsetzen der Statustheorie immer bedeutsamer für Erfolge wird, hat auch die amerikanische TV-Landschaft aufhorchen lassen. Die Serie „The Big C“ mit Laura Linney alias Cathy Jamison (oben im Bild) in der Hauptrolle, handelt von nichts anderem als Statuserhalt. Als Cathy mit Krebs diagnostiziert wird, beschließt sie, niemandem etwas davon zu sagen. Während sie ihren Status als „Gesunde“ künstlich am Leben erhält, beginnt sich ihr innerlicher Status – und damit ihr Verhalten gegenüber allen, die ihr nah stehen – komplett zu verändern.

In „Californication“ versucht David Duchovny alias Hank Moody seinen früheren Status (erfolgreicher Schriftsteller, verheiratet mit seiner Traumfrau) wiederherzustellen. Und schwankt dabei zwischen charmant, betrunken und Totallooser.

In „Entourage“ erleben wir, wie Adrian Grenier alias Vincent Chase zum Hollywoodstar avanciert – und dabei nicht nur seinen Status, sondern auch den seiner Entourage immer wieder verbessert. Natürlich nicht ohne zwischendurch knapp an der Katastrophe vorbeizuschlittern.

Aus all diesen Serien lernen wir: Status ist (über-)lebenswichtig. Eine Formel die Firmen wie „Elitepartner“ verinnerlich und zum Erfolgskonzept umgebaut haben. Nur wer einen hohen Status hat, hat bessere Chancen bei der Partnerwahl. Oder weitergesponnen – nur wer aus dem besseren Genpool schöpft, kann sicher sein, dass es die eigenen Kinder zu etwas bringen. Krass? Ja, aber das hat die Statustheorie so an sich.

Sie ist übrigens auch einer der Gründe, warum die neue Staffel von Germanys Next Topmodel so schlechte Quoten einfährt. Mal abgesehen davon, dass Heidi Klum ihren „Status“ als Modelmama aufgegeben hat und in manchen Folgen gar nicht mehr auftaucht, gibt es diesmal ein unlösbares Problem. Die Kandidatin Luisa ist so viel schöner als die übrigen Mädchen, dass sie einfach jede Challenge gewinnt. Aus einem Statuskampf wird eine One-Woman-Show – da helfen dann auch die künstlich eingepflegten „Konflikte“ zwischen den Mädchen nicht weiter. Interessant ist eben nur die Statusveränderung – Stillstand braucht kein Mensch.

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