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Storytelling in Serien: The Walking Dead

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© TWD productions LLC Courtesy of AMC

„Das musst Du gesehen haben“, sagte mein Freund Florian. Zombies? Und das soll spannend sein? Oh ja! Heute für Sie: die 10 Storytelling Tricks, die „The Walking Dead“ zum Serienhit machen.

Storytelling in Serien

1. Folge dem inneren Kind. Schon als Kinder lieben wir es, uns an Halloween zu verkleiden. Monster oder Jäger zu spielen. Die Geister-, Vampir und Zombie-Idee spricht unserem Kinder-Ich aus der Seele. Wir sind direkt „hooked“.

2. Erzähl eine Geschichte, die Du liebst – egal auf welchem Medium. „The Walking Dead“ war ursprünglich ein Comic. Der Autor Robert Kirkman hat seine Geschichte erzählt wie ein Besessener. Das wussten die Leser zu schätzen. Aus einem kleinen Heftchen wird ein „Word of mouth“-Erfolg, den die Leser sich untereinander weiterzählen.

3. Schaffe eine Community – und füttere sie mit gesammeltem Talent. Ein Erfolg entsteht nicht ausschließlich durch eine großartige Idee eines besonderen Menschen – sondern weil diese Idee in einem Peer-Milieu gründet, das zur Fangemeinde wird. Zum Comic-Autorengenie Robert Kirkman stoßen bald Branchengenies wie Charlie Adlard (Comiczeichner), Frank Darabont (Writer-Director-Producer), Gale Ann Hurd (Mega-Producer von Terminator), Gregory Nicotero (Special Effects Gigant) und viele mehr. Ihre Prämisse: „Everyone wants to tell a story that the fans deserve“. So wird mit der Kombi von Comic, Game und TV-Show Geschichte geschrieben.

4. Verwende ein High Concept – und erzähle es modern. Was wäre, wenn die Welt von Zombies beherrscht würde und es nur noch ein paar Überlebende gäbe? Die Idee ist uralt – wurde aber nie mit Gamification gekoppelt. Die Fans von „The Walking Dead“ spielen dieses „What if“ seit fast 10 Jahren mit. Es ist eine Art Volksbewegung entstanden – denn das Thema dockt direkt an unsere tiefsten Ängste an, die wir seit Beginn der Evolution mit uns herumschleppen.

5. Finde die beste Metapher. Wer Nachrichten schaut weiß, dass wir kurz vor dem Weltuntergang stehen. „The Walking Dead“ übersetzt die tatsächlichen Bedrohungen einer möglichen Weltfinanzkrise, von CO2 Warming, Giftgasangriffen, Terrorakten und Spionage in Serienbilder von unfähigen, egoistischen Blutsaugern und Zombies. Und die wollen wie ihr reales Vorbild nur eins: fressen und andere töten. Sie können sich nicht weiterentwickeln und werden zu kalten Killermonstern, die sich nicht mehr für mitmenschliche Strukturen interessieren. Das Setting von „The Walking Dead“ zeigt uns die postapokalyptische Welt, die wir in der Realität zu verhindern versuchen.

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© TWD productions LLC Courtesy of AMC

6. Mach es so spannend, dass die Story unter die Haut geht. Schon Hitchcock wusste: Spannung ist Erwartungsspannung. Damit es den Zuschauer kaum noch auf dem Sitz hält, muss er die Gefahr permanent ahnen und gleichzeitig ständig überrascht werden. Er gerät mit seinen Helden fortwährend in klaustrophobische und lebensbedrohliche Situationen. Die Ausweglosigkeit, die er in jedem Moment spürt, wird durch die immer größere Bedrohung fast unerträglich. Diese Überreizung mit rhythmischen Erholungsszenen für den Zuschauer zu koppeln, ist meisterlich.  Das ist bestes Storytelling in Serien auf Plotebene.

7. Brich ein Tabu und Du hast eine Story. Bereits in der ersten Szene will Rick ein kleines Mädchen beschützen, die einzige Überlebende eines Massakers. Als er erkennt, dass sie ein Zombie ist, tötet er das Mädchen mit einem Schuss in den Kopf. Von da an muss Rick Dinge tun, die niemand je für möglich gehalten hat. Der Zuschauer atmet schwer und bleibt dran.

8. Zeig dem Held keinen Ausweg. Nur wenn der Protagonist permanent bedroht wird, entsteht ein Story-Hochdruckbehälter. „Lock the scene“ – damit es auch nach 10 Serienjahren keinen Ausweg gibt. Nur so werden die Überlebenden zu Leadern, die trotz der Aussichtslosigkeit weiterkämpfen.

9. Lass den Helden moralisch wachsen – in beide Richtungen. Ein gewöhnlicher Mann muss plötzlich zum Anführer einer Überlebensgemeinschaft werden. Er muss ethisch wachsen – nicht immer nur in eine positive Richtung. Denn mittlerweile ist es durchaus erlaubt, auch die dunkele Seite des Helden zu zeigen. Das Ziel, das er sich durch alle Entscheidungen erobern will, bleibt dabei immer gleich: Freiheit. Dabei besitzt Rick Grimes genau die heroischen Züge, die es uns leicht machen, uns mit ihm zu identifizieren: Anstand, Ehrsamkeit und der Wunsch nach Menschlichkeit – der in jeder Szene zu finden ist.

10. Nutze die Erzählkraft der Musik, um Deine Geschichte maximal zu pimpen. Der Ton erzählt die Geschichte – und so ist es kein Wunder, dass die Musik an Hitchcocks „Psycho“, an den Mord unter der Dusche erinnert. Alles steht auf dem Spiel und der Tod ist die Norm. Weil das Leben fast ausgestorben ist, erzählt auch die Musik diese Geschichte: Jeder wirre Ton kämpft mit dem anderen ums Überleben. Und dann: Stille, die wir mit unserer Erwartungserregung füllen. Und die Garantie, dass wir zur nächsten Folge wieder einschalten.

Wer mehr über „The Walking Dead“ wissen möchte, findet hier ein Background-Video zur Entstehung der Idee und Infos dazu, wie sich aus einem kleinen Comic ein gesamtgesellschaftliches Gruselerlebnis entwickelte. Storytelling in Serien at its best!

http://www.thewalkingdead.com/video-gallery/the-walking-dead-a-decade-of-dead/

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