Durchlebe ich ein spannendes Handlungsgeschehen?
Eindeutig: ja. Vor allem, da Desireé sehr präsentisch erzählt und ich als Zuhörer nicht weiß, was als nächstes passiert. Es ist, als wäre ich live während der Geschehnisse dabei.
Lerne ich eine nützliche Lektion?
Mehrere. Dass es überlebenswichtig ist, eine Rettungsweste zu tragen. Übergewicht bei Kälte im Wasser schützt. Es Sinn macht, in solch einer Situation beim Schiffswrack zu bleiben, weil das größer ist und einfacher auszumachen. Dass ich eine Leiche an ein Boot binden kann, damit sie nicht wegschwimmt. Dass ich nach extremer Unterkühlung vorsichtig sein muss, wenn ich die unterkühlte Person aufzuwärmen versuche – und schon warmes Wasser sich wie eine Verbrennung anfühlen kann. Auch der „Mind over matter“ Hinweis, den Desireé in einem anderen Zusammenhang gibt, scheint dieser Geschichte zu entspringen.
Identifiziere ich mich?
Ja – ich fiebere mit Desireé mit. Aber ich kann mich auch mit anderen Personen identifizieren. Mit dem Vater, der wegschwimmt. Der Tante, die versucht die kleine Desireé abzulenken und ihr ein Gefühl von Hoffnung zu vermitteln. Und natürlich spüre ich auch die Emotionen der Fischer, die sich 35 Jahre lang gefragt haben, was an diesem Tag genau passiert ist und was aus dem Mädchen geworden ist.
Reflektiere ich meine persönliche Geschichte
Es geht gar nicht anders. Ich stelle mir vor, was ich gemacht hätte. Und ich sehe meine Mutter, meine Tante sterben und meinen Onkel wegschwimmen.
Werde ich besser fürs Leben gerüstet?
Sowohl die praktischen Aspekte der Geschichte geben mir Rüstzeug. Als auch das Wissen, dass solch ein Unglück – physisch und psychisch – überlebbar ist.
Erlebe ich Zugehörigkeit, Rangordnung, Ausgestoßensein
Schon in den Verhaltensweisen „Der Vater schwimmt los, um Hilfe zu holen“ und „ Der Onkel gibt auf“ erlebe ich eine Rangordnung. Zugehörigkeit spüre ich besonders in den verbindenden, liebevollen Momenten zwischen der Tante und Desireé. Im Hinweis, die Mutter festzubinden, damit sie nicht wegschwimmt, sondern bei ihnen bleibt. Oder im halluzinierenden Lachen und der Vorstellung, unter warme Decken kriechen und Room Service bestellen zu können, wenn das Ganze vorbei ist.
Erlebe ich gespannt, wie man durch Widerstände wächst?
In diesem Fall vielleicht eher: wie man trotz widriger Umstände überlebt. Natürlich musste Desireé über sich hinauswachsen, um diese Situation zu überleben. Aber an der Art, wie sie diese Geschichte erzählt – eher ablauf- und faktenorientiert – merke ich auch: da sind viele Dinge nicht verarbeitet.
Verändert die Geschichte mein Weltbild?
Ich habe vorher nie wirklich darüber nachgedacht, wie solch ein Schiffsunglück im kleinen Rahmen vonstatten geht. Wir alle kennen die monumentalen Szenen aus dem Film Titanic. Aber fast wie in einem Bühnenstück erzählt zu bekommen, wie einer nach dem anderen seine Todesart wählt oder von ihr eingeholt wird, ist schockierend und faszinierend zugleich. Mich hat am meisten bewegt, dass auch im Tod der Charakter erkennbar ist.
Werde ich emotional geprägt?
Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen.
Erfahre ich Rückkehr in die Ganzheit?
Insofern, als dass dieses spezielle Video ja von der Zusammenführung handelt und die Beteiligten sich endlich die Fragen stellen können, die sie immer bewegt haben. So bekommt das Ganze auch für mich eine Geschlossenheit.