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Was kann ich jetzt überhaupt noch posten?

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Was kann ich jetzt überhaupt noch posten?

Svenja Walter<br>Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Svenja Walter
Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Erst die Pandemie, dann Krieg in Europa und eine drohende Inflation. Wir kommen nicht zur Ruhe und versuchen  doch jeden Tag aus der Angst und der Unsicherheit rauszukommen. Sicher ein ganz normaler Instinkt – denn nach dem viel zu langen Ausnahmezustand brauchen wir endlich wieder Normalität.

Was wir privat kaum hinkriegen, ist beruflich noch viel schwieriger. Denn auch wenn woanders Bomben fallen, müssen wir weiter für unseren Lebensunterhalt sorgen und deshalb weiter Inhalte „spielen“. (Schon das Wort zeigt, wie wenig der Contentgedanke in eine Zeit passt, in der es um Leben und Tod geht.)

Was können wir tun, um wieder an Umsätze und Zielerreichung anzuschließen? Und gleichzeitig mit der notwendigen Empathie, Feinfühligkeit und Pietät vorgehen?

Inhalt von diesem Blogbeitrag

Erlaube Dir, Deine Jahresplanung anzupassen.

Vorweg eine Metapher. Viele von uns haben in der Pandemie zugenommen und passen deshalb nicht mehr in ihre Hosen. Anstatt uns dauerhaft schlecht zu fühlen, weil die Hosen drücken, dürfen wir uns einfach neue Hosen kaufen. Das heißt nicht, dass wir aufgeben, nicht mehr zum Sport gehen und jeden Abend Chips essen. Sondern dass wir einen unangenehmen, vielleicht sogar belastenden Zustand angenehmer machen, indem wir eine vorübergehende Lösung suchen. 

Genauso ist es auch mit unserer privaten und geschäftlichen Jahresplanung. Die mussten wir schon in der Pandemie anpassen – und müssen es auch jetzt. Wir hatten uns vorgenommen dieses Jahr mindestens 40 Onepager rauszubringen. Pro Onepager ein aktuelles Lernfeld knackig aufbereitet. Super für die immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen – und ihr habt das Anfang des Jahres dankbar angenommen.

Durch den Krieg in der Ukraine und den neuen Schlag in die Magengrube unserer Sicherheit hat sich die Dynamik aber so verändert, dass das nicht mehr passt. Zum einen fühlt sich die pure Produktmenge (40??? Undenkbar!) plötzlich komplett verkehrt an. Zum anderen sind die geplanten Themen teilweise hinfällig.

Gerade in Krisen sind wir darauf gepolt, nur die Angebote wahrzunehmen, die uns das Überleben erleichtern. Da haben wir keinen Kopf für Grundlagenarbeit („Mit dem Thema wollte ich mich schon lange Mal ausführlich auseinandersetzen“) und „Nice to have“ Inhalte taugen höchstens zur Ablenkung („So kreierst Du eine Capsule Wardrobe“).

Stell Dein Handy auf lautlos, setz Dich mit einer Tasse Tee in eine gemütliche Ecke und wirf einen frischen Blick auf Deine Jahresziele.

Was willst und kannst Du jetzt wirklich leisten?

Frage Dich: Ist das so noch realistisch? Möchte ich das jetzt noch umsetzen, oder stresst mich das eher? Könnte ich meinen Kunden mit meiner Expertise jetzt einen anderen, vielleicht sogar größeren Mehrwert bieten?

Umzuschwenken und sich an die Gegebenheiten des Marktes, die Wünsche der Kunden und die durch neue Situationen entstandenen Bedürfnisse anzupassen, ist kein Rückschritt. Sondern unternehmerisch verantwortungsvolles Handeln, dass Dich menschlich und sympathisch macht.

Auch wir sind in Klausur gegangen. Und haben festgestellt: es wird im Jahresverlauf definitiv weitere Onepager geben. Aber nicht jetzt und vielleicht zu anderen Themen. Anstatt dessen haben wir gerade das Heldenreise EBook veröffentlicht – ohne großes Tamtam. Denn das Thema passt wunderbar in diese Zeit und kann jetzt vielen eine große Stütze sein.

Wenn Du Deine Jahresziele solch einem befreienden Frühjahrsputz unterzogen hast, ist Zeit für die Überlegung: „Was kann ich jetzt überhaupt noch posten?“ 

Drei wichtige Parameter für Content in Krisenzeiten

Im Folgenden verraten wir Dir die drei Parameter, die wir in den letzten Wochen wiederholt bei unseren eigenen Inhalten angewendet haben und die auch für Deine Contentstrategie hilfreich sind:

1. Angemessene Energie

Der allerallerwichtigste Punkt. Als ich diese Woche nach meiner dreiwöchigen Social Pause – die zufällig in den Zeitraum des Kriegsausbruchs fiel – zurückkehrte, habe ich für die untenstehende Story ganz viel liebes Feedback bekommen. 

Das zeigt: es ist momentan wichtig, dass wir die eigenen Energien an die Energien anpassen, die uns umgeben. Sonst fallen wir schnell unsympathisch auf und kommen unter die Räder. Worauf müssen wir dabei besonders achten?

    1. Schraub die Selbstpromotion runter. Weniger „Ich bin heute bei einem coolen Kunden“ und „Kauf mein Produkt, denn nur so wirst Du erfolgreich“. Alle sind mit sich selbst beschäftigt und viele orientierungslos. Nichts macht jetzt weniger Spaß, als jemandem zu folgen, der so tut, als hätte sich nichts verändert. Wenn Du verkaufst, dann mit einer Story als Aufhänger und so, dass es sich organisch ergibt und „fließt“. Nicht mit dem Holzhammer.
    1. Apropos nichts verändert: Vorsicht bei Urlaubsfotos. Ja, wir müssen uns alle auch in diesen Zeiten erholen. Das öffentlich zu zeigen (vor allem wenn es so sorglos und luxuriös wirkt, als hättest Du vom Krieg noch nie gehört) kann aber auch negativ ankommen. Auf der sicheren Seite bleibt man mit kraftgebenden Urlaubsmomenten und Naturposts vom Sonntagsspaziergang.
    1. Leid und Geschäft bitte niemals verknüpfen. Ganz schlimm: „10 Prozent unseres Umsatzes spenden wir heute an die Ukraine.“ Wer wirklich helfen will, muss dazu nicht überteuerte Produkte raushauen und sich 90 Prozent selbst in die Tasche stecken. #nogo Das geht anders, besser, einfühlsamer.
    1. Dreh die Empathie hoch. Hab Verständnis für die Lage der Welt. Mach sie zum Thema. Sprich darüber, wie Du mit Freunden darüber sprichst. Und: Wenn Du helfen willst, mach das. Auch das darfst und sollst Du erzählen – aber lieber mit Worten, als mit Bildern. Und wenn mit Bildern, dann mit geschmackvollen. Also keine Selfies bei der Anti-Kriegs-Demo und in Rettungswesten. Sonst kann die Tatsache, dass Du ein guter Mensch bist, schnell aussehen wie zum Flexen verkommenes Gutmenschtum.

Wie können wir weiterhin unsere Themen erzählen und sie gleichzeitig zugänglich und sympathisch verpacken?

2. Human Touch

Jetzt gilt: Je natürlicher, desto besser. Das heißt aber nicht, dass wir uns alle vor die Kamera setzen und über unsere Gefühle jammern. Sondern dass wir textlich und visuell Inhalte anbieten, mit denen sich unsere Kunden und Follower einfacher verbinden können. Die allen jetzt „mehr reinlaufen“, weil sie unsere Realität und unsere Gefühle spiegeln.

    1. Keine Stockfotos und so wenig Businessfotos wie möglich. Wenig Konferenzräume, wenig Hosenanzüge, wenig Netzwerktreffen. Passender ist eine Home Office Umgebung, Casual Wear und zum Beispiel die Mittagspause im Englischen Garten, wo man sich mit Kollegen oder Geschäftsfreunden zum Meeting im Gehen trifft. Je nahbarer, desto besser.
    1. Menschliches Storytelling, zum Beispiel mit Handschriften (oft besser als Typo) und Zeichnungen (oft besser als Fotografie). 
    1. Texte am heutigen Sprachgebrauch entlang. Wenn wir oben im Text das Beispiel der nicht mehr passenden Hosen verwenden, dann weil wir aktuell immer wieder auf Menschen treffen, die ihre Pandemiepfunde nicht loswerden.
    1. Überprüfe Deine bereits programmierten Inhalte und Anzeigen. Was vor einigen Wochen noch Ok gewesen wäre, kann jetzt unpassend sein. So wie die folgende Louis Vuitton Anzeige in der New York Times, die in dem jetzigen visuellen Umfeld grenzwertig wirkt.
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3. Aktuelle Beispiele

Wir arbeiten gerade an einem Blogpost über die Heldenreise im ersten Teil von Harry Potter. Das könnte nicht weniger mit unserer aktuellen Situation zu tun haben, oder? Stimmt – und deshalb mussten wir erstmal aktuelle Beispiele für die große Bedeutung von Storytelling  finden, um sie am Anfang des Blogposts erzählen zu können. Das hier sind die Beispiele, für die wir uns entschieden haben:

1. Wir erzählen von „Call Russia“, einer littauischen Initiative, die Landsleute dazu aufruft, in ihrem Heimatland anzurufen. Am Telefon versorgen sie die Angerufenen mit Fakten über Russlands Invasion in die Ukraine, um so die von Russland verhängte Medien- und Informationssperre im Land zu umgehen. Spitze – so geht Guerilla-Storytelling in Krisenzeiten. 

2. Wir geben wieder, was Halle Berry gerade in einer Dankesrede beim Critics Choice Award über die Bedeutung von Storytelling gesagt hat. Nämlich dass wir durch gut erzählte Geschichten die Möglichkeit bekommen über unser eigenes Leben hinauszudenken, aufhören zu urteilen und wirkliches Mitgefühl für Menschen in anderen Lebensumständen entwickeln. Ein wertvoller Gedanke in diesen außergewöhnlichen Zeiten.

Erst nach diesen aktuellen Beispielen zeigen wir die Grundstrukturen der Heldenreise am Beispiel des Harry Potter Films auf – weil die Leser jetzt hoffentlich bereits einen Bogen in ihre Lebenswirklichkeit schlagen konnten. Begriffen haben, das Storytelling in Krisenzeiten wichtig ist. Und vielleicht Lust auf mehr Infos bekommen haben. 

Wie kannst Du diesen Trick anwenden?

a) Scanne die Medien auf Deine Inhalte. Egal ob Du Nachhaltigkeitscoach bist („Wir brauchen keine Kleiderspenden mehr“ ist einmal mehr Beweis für unser Leben im Überfluss, denn wirklich alle haben zu viel Kleidung), Ernährungsexpertin („Was passiert im Körper bei Stress – und was braucht er deshalb?“) oder Finanzberater (steigende Spritpreise, drohende Inflation, Zusammenhang der Märkte) – die Möglichkeit aktuelle Themen aufzugreifen besteht wirklich immer.

Welche aktuellen Zitate, Aktionen, Initiativen sowie kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen passen zu Deiner Expertise? Kannst Du diese als Beispiele zitieren, als food for thought posten oder mit Deinem Fachwissen für Deine Follower aufwerten?

b) Hör genau hin, was Dir gerade nicht gefällt. Oft hast Du durch Dein Spezialwissen Dein Ohr am Puls der Zeit. Auch wir können diesen Artikel für Dich nur schreiben, weil wir einen messerscharfen Blick auf Inhalte werfe. Egal ob wir durch Instagram scrollen oder die New York Times lesen: wenn wir eine innere Ablehnung spüren, schauen wir sofort, welche Kommunikationsmuster uns da triggern – und wenn das fachlich spannend ist, teilen wir es im Team. 

Genauso werden Dir gerade Sachen negativ aufstoßen. Überleg einmal, welche Systematik sich dahinter verbirgt und was Deiner Meinung nach schief läuft. Sprich öffentlich darüber – denn Du bist sicher nicht die einzige Person, der es so geht. Bleib dabei immer konstruktiv und zeig emphatische Lösungsansätze auf.

Wir freuen uns, wenn Dir der Artikel gefallen hat und Du Dir ein paar Notizen machen konntest, um in diesen Zeiten besser in Dein Erzählen und Deine Stimme hineinzufinden.

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