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Christopher Vogler Heldenreise Interview

Heldenreise Interview mit Christopher Vogler

Christopher Vogler Heldenreise Interview
Christopher Vogler Heldenreise Interview

Interview mit Christopher Vogler über die Heldenreise

Uwe Walter<br>Storytelling Coach für die Weiterentwicklung von Medien und Unternehmen

Uwe Walter
Storytelling Coach für die Weiterentwicklung von Medien und Unternehmen

„You’ve always been an enthusiastic supporter and you pushed me further than I thought I could go. I am in your debt for that.“ Wie mein langjähriger Freund Christopher Vogler mich in diesen Zeilen beschreibt, rührt mich zutiefst. Seine Worte spiegeln unsere Beziehung, die wir seit 30 Jahren pflegen – und die gemeinsame Leidenschaft für Storytelling.

Christopher Vogler (CV) und ich (UW) haben uns kennengelernt, als ich nach Amerika gereist bin, um Hollywoods beste Filmlehrer kennenzulernen. Später war ich dann Mitherausgeber der deutschen Ausgabe von Christophers Standardwerk „The Writer’s Journey“. Christopher ist seit Jahrzehnten Story Consultant für führende Hollywoodstudios und arbeitet mit großen Regisseuren zusammen.

Das folgende Interview über die Heldenreise entstand im März 2018 und ist aktueller denn je. Viel Spaß beim Eintauchen in die Welt des Storytelling.

"Durch Geschichten begreifen wir, ob das, was wir tun, eine größere Bedeutung hat, ob wir einen Unterschied machen. Denn das ist ja die zugrundeliegende Idee jeder Heldentat."

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UW: Christopher – wir kennen uns jetzt schon über zwei Jahrzehnten. Wie schätzt Du die Bedeutung von Geschichten heute ein?

CV: Geschichten haben immer noch die Funktion, uns zu unterhalten. Gleichzeitig dienen sie als Orientierungshilfen und Metaphern für unsere eigenen Herausforderungen. Sie bieten uns einen geschützten Raum, in dem wir über soziale und persönliche Probleme nachdenken können. Durch Geschichten begreifen wir, ob das, was wir tun, eine größere Bedeutung hat, ob wir einen Unterschied machen. Denn das ist ja die zugrundeliegende Idee jeder Heldentat.  

Michael Wiese und Ken Lee von MWP (https://mwp.com/), die Christopher Vogler unter Vertrag haben, 1999 mit Uwe Walter auf der Frankfurter Buchmesse.

Ken und Uwe halten ein Plakat hoch, das einen Vortrag von Christopher Vogler ankündigt.

UW: Als Berater der großen Filmstudios hast Du in den letzten 40 Jahren Tausende von Drehbüchern gelesen und bist dabei auch immer wieder der Heldenreise begegnet. 

CV: Vor 40 Jahren kam der erste Star Wars Film raus – und gerade diese Filmreihe ist eng mit der Heldenreisestruktur verknüpft. Kurz davor hatte ich mich das erste Mal mit Joseph Campbells Arbeit beschäftigt. Es war offensichtlich, dass das Grundmuster der Heldenreise auf vielen Ebenen funktioniert – sowohl bei sehr persönlichen Geschichten über einzelne Menschen, als auch bei zeitgenössischen Stories und Erzählungen mit sozialen Aspekten. Mit dieser allgemein gültigen Struktur war es möglich, psychologische Fragen der Welt aufzunehmen wie „Wer sind wir?“, „Was ist unsere Verantwortung“ und „Wie gehen wir mit Veränderungen um?“ 

UW: Hat sich die Interpretation der Heldenreise und ihrer mythologischen Struktur in den letzten 40 Jahren verändert?

CV: Ich glaube, dass wir Geschichten vor allem dafür nutzen, um uns über uns selbst bewusst zu werden. Aber auch, um andere Menschen und unsere Beziehung zu ihnen einzuschätzen. Die Heldenreise ist heute viel bekannter als damals – und wurde immer wieder kritisiert.  „Zu simpel“ sei sie und würde die Komplexität des Lebens nicht umfassend abbilden. Vorhersehbar, weil sich ihre Form immer wiederholt. Stimmt alles. Jedes Werkzeug kann missbraucht werden, wenn Menschen es nutzen, um nicht nachdenken zu müssen. Wenn sie die Blaupause nehmen und faul werden. Ich selber finde die Heldenreise nicht voraussagbar, sondern bin begeistert, wie unendlich flexibel die Struktur ist. Wie sie permanent weiterlebt, wächst und sich verändert.

"Eine Geschichte nimmt Dich an die Hand. Hilft Dir, Dich nicht mehr mit Deinem Ego oder Deinem Land zu identifizieren, sondern Deine Menschlichkeit und Deine Beziehung zu anderen in den Vordergrund zu stellen."

UW: Mit dem durch das Internet mögliche First Person Storytelling hat sich auch die Anzahl der Menschen, die sich wichtig finden, rasant vergrößert. Wladimir Putin sagt „Es ist das größte Problem, Menschen eine Bedeutung zuzusprechen.“ Er versucht, genau das zu verhindern. Da spricht die Heldenreise eine ganz andere Sprache. 

CV: Die Heldenreiseidee öffnet uns Türen. Gerade wer eine eher egoistische, stammesgetriebene “Es gibt uns – und es gibt die anderen” Haltung innehat, kann im Lauf einer Geschichte ganz woanders landen. Eine Geschichte nimmt Dich an die Hand. Hilft Dir, Dich nicht mehr mit Deinem Ego oder Deinem Land zu identifizieren, sondern Deine Menschlichkeit und Deine Beziehung zu anderen in den Vordergrund zu stellen. Du akzeptierst Deine Verantwortung für andere und erfüllst damit den Hauptgedanken einer Heldentat. Du opferst Deinen persönlichen Vorteil, Dein eigenes Interesse, für etwas, das größer ist.

Natürlich gibt es auch dunklere Ausformungen. In den USA sind gerade die Shows, die im Kabel-TV laufen, voller solcher Geschichten. Sie fordern die Heldenidee heraus. Ganze Serien werden nur über Bösewichte gemacht. Und doch bewirken sie dasselbe: Sie regen uns an,  sozialer zu werden. 

Vor 1980 hieß die Heldenreise auch noch gar nicht Heldenreise. Als ich dann mein Buch über den Schreibprozess schrieb, habe ich es „The Writer’s Journey“ genannt, weil der Prozess, den jeder Schreibende bei seiner Arbeit durchläuft, der Heldenreise sehr ähnelt. Du kommst immer an einen Punkt, wo Du denkst “Das ist das Schlimmste, was ich je geschrieben habe“ und alles hinschmeißen willst. 

Aber dann kämpfst Du Dich durch und bist am Ende siegreich. Und so ist es doch mit allen Aspekten des Lebens, deshalb hätte das Buch auch „Die Lebensreise“ heißen können. Auch wenn ich das Buch für Drehbuchautoren geschrieben habe, so hatte ich doch die ganze Zeit andere Herausforderungen des Lebens im Kopf. Ein Unternehmen aufzubauen, andere zu coachen – eigentlich alles, was einen Schwierigkeitsgrad hat, der mit den Stufen der mythischen Heldenreise parallel läuft. 

Christopher Vogler The Writers Journey

Einige Ausgaben von Christopher Voglers Standardwerk. Ganz rechts das deutsche Buch, das Uwe in Kooperation mit dem Verlag Zweitausendeins herausgegeben hat.

UW: Was sind heute die Filme, Stories und Events, die Dir einfallen, wenn Du über die Heldenreise nachdenkst? 

CV: Meine größten Learnings kommen von den Klassikern, mit denen ich hauptsächlich arbeite. Aber zwei moderne Filme haben mich in letzter Zeit besonders beschäftigt, weil sie die Heldenreise anders anwenden. 

Zum einen „Liebe“ – ein deutsch-französischer Film von Michael Haneke über ein Paar, bei dem die Frau den Verstand verliert. Hier wurde die Stufe 4, Begegnung mit dem Mentor, komplett ausgelassen. Der Archetyp des Mentors kommt nicht vor, es gibt also keine ältere, weise Figur die Ratschläge gibt oder den Protagonisten hilft, sich in der neuen Welt zurechtzufinden. Und diese kleine Veränderung machte die Heldenreise plötzlich sehr lebendig, fordert die Struktur heraus. Auch weil wir bei der Verwandlung, die die Frau durchläuft, automatisch erwarten, dass der Ehemann gleich Hilfe bekommen wird – von einem Doktor, einem Psychologen oder seiner Tochter. Aber da kommt niemand. Und das ist doch die Aufgabe eines Künstlers. Die Struktur in- und auswendig zu kennen und dann das Muster in seiner Arbeit zu durchbrechen. Lass etwas weg, mach etwas Unerwartetes – und Du kannst sichergehen, dass die Heldenreise immer lebendig bleiben wird.

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Der andere Film, mit dem ich gearbeitet habe, war Whiplash von Damian Chazelle. Eine eher klassische Heldenreise über einen jungen Menschen, der einen Mentor hat. Aber der Mentor ist ein Teufel und Du bist Dir nie sicher: Will er den Mentee zerstören oder wird er ihm helfen, ein fantastischer Künstler zu werden? Hier werden Deine Erwartungen der Mentor-Schüler Beziehungen herausgefordert.

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UW: Ich selber bin Deinen 12 Stufen der Heldenreise sehr eng verbunden und verwende sie in meiner Arbeit täglich. Wenn Du heute an die Stufen denkst, spielst Du je mit dem Gedanken, sie umzubenennen? Denn das, was Du gemacht hast, ist ja sehr schwierig: etwas zu benennen, sich festzulegen und dann Jahrzehnte daran festzuhalten. 

CV: Tatsächlich überdenke ich das immer wieder. Wie Du etwas nennst, ist eine Entscheidung, die Du an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit fällst. Sie reflektiert, wie Du genau da gedacht hast. Doch mit der Auswahl eines bestimmten Begriffs, einer Bezeichnung, limitierst Du die jeweilige Heldenreise Stufe auch. Sprichst ihr eine bestimmte Färbung, einen Klang zu. Du baust einen Zaun auf und hältst damit andere Gedanken und Interpretationen davon ab, hereinzukommen. Zum Beispiel heißt die Stufe elf der Heldenreise „Resurrection“ – wörtlich übersetzt bedeutet das „Auferstehung“ – und das hat für viele einen christlichen Klang. Die Stufe könnte auch Redemption, Purification, Catharsis, Climax oder Showdown heißen. Alles wahre Begriffe, die diesen Punkt in der Story gut beschreiben. Ich hätte all diese Worte nehmen können, aber ich habe Resurrection gewählt. Und deshalb war ich gezwungen, darüber nachzudenken, warum ich diese Wahl getroffen habe. 

Also bin ich nochmal zurück, habe Joseph Campbell‘s Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ zur Hand genommen und herausgefunden, dass er selbst auf Seite 245 das Wort Resurrection verwendet. Also dachte ich: „Ok, wenn er es verwendet, kann ich es auch verwenden.“ Aber in anderen Fällen, bei anderen Stufen, habe ich seine Sprache verändert – und dann nachher wiederum meine Sprache verändert, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Bezeichnung nicht offen genug war, weil ich mehr Interpretationsmöglichkeiten zulassen wollte. „Ergreifen des Schwerts“ habe ich später „Belohnung“ genannt, weil ich das generalistischer fand und das mehr Erzählbreite schafft. Ich bin also immer damit beschäftigt, mein Konstrukt feinzuschleifen, damit es so großzügig wie möglich sein kann. 

UW: Auf Deiner Website erwähnst Du auch die weibliche Heldenreise von Maureen Murdock. Wie sind Deine Gedanken und Erfahrungen dazu?

"Für mich persönlich ist die Heldenreise konfessionslos, unparteiisch, weder konservativ noch liberal, weder männlich noch weiblich."

CV: Nun – ich bin ein Experte für die männliche Variante der Hero‘s Journey und glaube auch, dass eine Frau die weibliche Variante der Reise definieren sollte. Aber natürlich fallen mir ein paar Sachen auf. Die Reise an sich ist für mich asexuell und geschlechtslos, auch wenn ich mir natürlich der kulturellen Aufladung bewusst bin, die mit dem englischen Wort „Hero“ einhergeht, das fast ausschließlich für männliche Personen verwendet wird. Aber für mich persönlich ist die Heldenreise konfessionslos, unparteiisch, weder konservativ noch liberal, weder männlich noch weiblich. Trotzdem würde ich sagen, dass einige Bestandteile der Heldenreise definitiv mit dem typisch männlichen Lebensweg übereinstimmen. Verallgemeinert gesagt: das Erreichen von Dingen und das Schritt für Schritt vorwärts gehen.  Frauen – und auch das ist eine Verallgemeinerung – erzählen mir eher, dass das in ihrer Heldenreise zwar auch vorkommt – aber darüber hinaus geht es viel um das Umfeld, innerhalb dessen man sich bewegt, und wo der eigene Platz in dieser Gruppe ist. Wie kann ich meine Bedürfnisse nähren und gleichzeitig dafür sorgen, dass mein Umfeld, meine Familie gut versorgt ist und sich geliebt fühlt?

Während die männliche Reise eher wie auf Eisenbahnschienen verläuft – von A nach B nach C –  schraubt sich die weibliche Reise wie eine Spirale nach innen und man kann, dort angekommen, wieder nach außen laufen. Es wird insgesamt mehr nach innen geschaut, sich mehr gefragt “Wie fühle ich mich dabei?“ und „Was denke ich darüber?” 

"Alle Geschichten und alle Künste sind Mittel, um die Energiezentren zu öffnen und unser Bewusstsein zu erhöhen."

UW: Als Du neulich in München einen Vortrag gehalten hast, ging es auch um Chakras. Gibt es Verbindungen zwischen der Bedeutung von Chakras und der Heldenreise? 

CV: Nachdem ich Joseph Campbells Ideen begegnet war, kam ich auch mit Yoga und Meditation in Berührung. Ich begriff, dass es Energiezentren im Körper gibt, die wach sind oder schlafen – und dass ich diese durch Yoga und Meditation aufwecken kann. Die Chakra Theorie besagt, dass diese Energiezentren blühen wie Lotusblüten. Durch Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, könne wir ängstlich werden, in die Verteidigungshaltung gehen und diese Blüten schließen. Aber sie können sich wieder öffnen, wenn wir lernen, uns selbst zu vertrauen. 

Diese Gedanken des sich Öffnens finden sich auch in der Heldenreise. Während ich über diese Parallelen nachdachte, wurde mir klar: alle Geschichten und alle Künste sind Mittel, um die Energiezentren zu öffnen und unser Bewusstsein zu erhöhen. So können wir von den unteren Zentren, wo es ums Überleben, um Macht und Sex geht, weiter aufsteigen und Liebe, Mitgefühl und Verständnis empfinden. Die Chakren drücken unser Potenzial aus. Und Musik, Tanz, Mediation und so viele andere künstlerische Ausdrucksformen helfen uns dabei, zu wachsen und auf ein neues Energielevel zu kommen. Auch Filme können das bewirken.

UW: Du reist viel. Ist das Verständnis der Heldenreise in verschiedenen Ländern und Kulturen unterschiedlich?

CV: Es ist wundervoll, die Heldenreise in verschiedenen Märkten und Bezugsrahmen auszutesten. Zu sehen, wie Menschen sich die Aspekte der Heldenreise herausgreifen, die sie für wichtig halten und die mit ihrer Kultur und ihren Grundannahmen übereinstimmen. Ich bin in einer sehr traditionellen westlichen Kultur aufgewachsen, in der es immer um den Platz des Einzelnen in der Gesellschaft ging. Wir gehen davon aus, dass eine Person einen Unterschied machen und die Welt verändern kann. Auf meinen Reisen habe ich vor allem im Kontakt mit Filmemachern aus Osteuropa schnell verstanden, dass hier ein zynischeres Denken normal und eine Weltenrettung undenkbar ist. Während ich Jemanden, der denkt, die Welt verändern zu können, immer einen Helden nennen würde, nannten sie so jemanden einen Idioten. Und trotzdem gab es da diese Sehnsucht, dass es jemand versucht. Vielleicht wird er in einer so zynischen Kultur nicht erfolgreich sein, aber zumindest wäre er angetreten. 

Auch interessant war die Unterscheidung zwischen dem einzelnen Helden und dem Heldentum in der Gemeinschaft. Gerade in Asien, speziell in Singapur, lag die Betonung ganz klar auf der Familie. Nicht nur, dass hier der Familienname vor dem Vornamen genannt wird. Auch die Mythen und Märchen, die man sich hier erzählt, stellen die Familie in den Vordergrund. Da geht es um eine Gruppe von Brüdern, ein ganzes Dorf, um Stämme und Nationen. Die Idee der Heldenreise ist da flexibel – sie kann sowohl auf eine kleine visuelle Szene als auf ein episches Gedicht runtergebrochen werden. Sie funktioniert für eine individuelle, persönliche Geschichte genauso wie für eine Stammesgeschichte.

UW: Auch die Wissenschaft hat es Dir angetan. Gibt es wissenschaftliche Beweise, die uns helfen, die Heldenreise noch besser zu verstehen? Weil es ja von Kritikern immer wieder heißt, dass das nur “mythologischer Kram“ sei.

CV: Für mich wäre es vollkommen in Ordnung, wenn die Heldenreise nur als Metapher verstanden würde. Aber ich freue mich auch, wenn die Wissenschaft das Konzept untermauert. Ich persönlich bin mir sicher, dass es zukünftig wissenschaftliche Beweise geben wird, dass diese Konzepte mit unserem zentralen Nervensystem verbunden sind. Wir haben uns so entwickelt, dass wir mit Helden mitfiebern können, die sich in potenziell gefährliche Situationen begeben. Wir haben gelernt, Teile unserer Aufmerksamkeit den Charakteren in Geschichten zu widmen und damit eine metaphorische Dimension unseres Geistes genährt, der poetische Konzepte unterstützt und auf der Metaebene denken kann. Es ist ein geheimnisvoller Prozess. Es wird schwierig sein, dafür Beweise zu finden. Aber ich bin mir ganz sicher, dass unser Gehirn dieses Denken unterstützt.

"Wenn wir jemanden sehen, der “nur” über die Straße geht, rührt sich bei uns nichts. Aber wenn wir verstehen WARUM jemand über die Straße geht kann sich das sofort ändern."

UW: Wie erklärst Du Dir virale Social Media Videos? Folgen die auch einer bestimmten Struktur?

CV: Bei uns in den Staaten ist es aktuell üblich ans Ende der mit schlechten Nachrichten angefüllten News-Sendungen einen fröhlichen, herzerwärmenden Einspieler zu stellen. Ich bin mir sicher, dass unser Gehirn bei solchen Geschichten “aufleuchtet”. Wir lieben es, wenn eine Person für eine andere eintritt und damit die negative Annahmen der Gesellschaft widerlegt. Ein Feuerwehrmann, der jemanden rettet. Ein junger Mann, der einem Obdachlosen hilft. Solche Situationen geben uns ein gutes Gefühl, sie machen uns Freude.

Wenn wir jemanden sehen, der “nur” über die Straße geht, rührt sich bei uns nichts. Aber wenn wir verstehen WARUM jemand über die Straße geht – auch wenn es nur ein Strichmännchen ist – kann sich das sofort ändern. Wenn diese Person über die Straße geht, um jemandem zu helfen, dann fiebern wir mit. Wir identifizieren uns mit der Person und werden durch ihr Verhalten motiviert, uns auch sozial zu verhalten. Das ist die magische Art, in der Stories wirken: sie verbinden sich mit etwas in unserem Inneren, das sich hingeben möchte. Wir möchten unsere Leben miteinander vergleichen.

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UW: Joseph Campbell glaubt an das Konzept “Follow your Bliss” als Richtschnur für ein erfülltes Leben. Für mich ist Bliss der Kern der Vitalität. Heute haben viele Menschen einen Burnout und sind von ihrem Bliss abgeschnitten. Auf der anderen Seite schaffen es auch in diesen Zeiten viele Menschen, sich mit ihrem Bliss und ihrer Berufung zu verbinden. Wie geht das zusammen? 

CV: Das zeigt einmal mehr, wie ein Konzept viele Menschen stärken und inspirieren kann, während andere es zu sehr vereinfachen oder einfach falsch interpretieren. Sie sagen “Wenn Du nur das tust, was für Dich einfach ist und was Dir Spaß macht, dann wirst Du glücklich.“  Aber das ist nicht das, was Campbell mit seinem Satz “Follow your bliss” aussagen wollte.

"Das ist Bliss. Etwas zu finden, dass Deine Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen maximal herausfordert. "

Ich zum Beispiel sehe mich gerade einigen beruflichen Herausforderungen gegenüber, von denen ich noch nicht weiß, wie ich sie lösen werde. Auf der einen Seite ist das unangenehm und macht mir Angst, aber gleichzeitig fühle ich mich maximal lebendig. Und das ist für mich Bliss. Einen erhöhten Puls zu haben und zu wissen: Ich brauche jetzt alles, was ich habe. Mein ganzes Wissen, all meine Stärke, all meine Weisheit – all meine Tools. Vielleicht werden mich die Monster zerstören, aber hey – ich lebe noch. Das ist Bliss. Etwas zu finden, dass Deine Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen maximal herausfordert. 

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Svenja Walter<br>Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Svenja Walter
Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Für all die, die in der Welt etwas verändern möchten, ist die Heldenreise aktueller, denn je. Denn mit ihrer Hilfe kannst Du Geschichten erzählen, über die gesprochen wird – und so Story für Story, Interaktion für Interaktion und Mensch für Mensch etwas bewegen.

Wie das geht, macht gerade die litauische Initiative „Call Russia“ vor. Mit einer Telefonaktion versucht sie, Menschen in Russland so weit wie möglich über den Krieg in der Ukraine zu informieren.

„Unter dem Motto "Call Russia" rufen die Initiatoren auf der ganzen Welt dazu auf, Landsleute in ihrem Heimatland anzurufen und mit Fakten über Russlands Invasion in die Ukraine zu versorgen. So soll die von Russland verhängte Medien- und Informationssperre im Land umgangen werden.“
Guerilla Storytelling vom Feinsten – und je nachvollziehbarer die Geschichten erzählt werden, desto eher werden wir damit Brücken bauen können.

Inhalt von diesem Blogbeitrag

Was ist die Heldenreise?

Die Heldenreise ist das „Modell“, dass die Stufen einer Geschichte beschreibt, die Du schon tausendmal gehört hast. Es ist die Geschichte von Cinderella und Pretty Woman genauso wie von Harry Potter und Star Wars – allesamt Stories, die den wiederkehrenden Rhythmen und Mustern einer guten Geschichte folgen.

Wenn Du die Dynamik der Heldenreise einmal verstanden hast, kannst Du bessere Geschichten erzählen und schreiben. Sie hilft Dir aber auch auf einer ganz anderen Ebene – nämlich bei Deiner persönlichen Entwicklung. Mit ihrer Hilfe kannst Du Erlebnisse und Geschehnisse besser einordnen und mit Deinen Talenten in Einklang leben.

Wie kann ich die Heldenreise anwenden und was bewirkt sie?

Du kannst die Heldenreise anwenden, um gute Blogposts zu schreiben und kleine Geschichten auf Social Media zu erzählen. Auch Produkttexte lassen sich spannender gestalten, wenn sie dem Erzählmuster folgen. Aber die eigentliche Kraft der Heldenreise liegt in der Transformation.

Weil Geschichten in Heldenreiseform von uns anders verstanden werden können, haben sie die Kraft, gesellschaftlich etwas zu verändern. Halle Berry hat das vor einigen Tagen in ihrer Dankesrede beim Critics Choice Award so formuliert:

"This is the power of storytelling. It can raise our consciousness and help us think outside of ourselves and our individual circumstances. I realized that we truly need to see each other's reality — no matter how uncomfortable it makes us — so that we might stop judging and stop pointing fingers, but rather find compassion and empathy for the others."
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Nur wenn wir unsere Geschichten erzählen, können wir uns miteinander verbinden und gleichberechtigt und friedlich miteinander leben. Die Heldenreise birgt großes Potenzial, persönliche Freiheit und Frieden in aller Welt möglich zu machen. Über das Zuhören, Empathie und die Erkenntnis, dass wir alle viel gemeinsam haben.

Filmbeispiel: Die 12 Stufen der Heldenreise in Harry Potter

Anhand vom ersten Harry Potter Film möchten wir Dir zeigen, welche 12 Stationen sich in der Heldenreise verbergen. Und wie nachvollziehbar und erlebbar Geschichten werden, wenn sie dramaturgisch sauber gebaut sind.

Stufe 1: Gewohnte Welt des Mangels

Weil seine Eltern gestorben sind, wohnt Harry Potter, bei seinen Verwandten, den Dursleys. Dort wird er schlecht behandelt, muss unter der Treppe hausen und jedes Aufblitzen seiner Zauberkräfte wird von den Dursleys unterdrückt.

Harry Potter Heldenreise 1 Stufe

Stufe 2: Ruf zum Abenteuer

Als eine Eule einen Brief aus Hogwarts an Harry liefert, ist er sehr aufgeregt.

Harry Potter Heldenreise Stufe 2

Stufe 3. Verweigerung des Rufs

Doch die Dursleys wollen nicht, dass Harry den Brief liest – und vernichten ihn. Daraufhin kommen immer mehr Eulen, die immer mehr Briefe liefern. Als selbst das Zunageln des Briefkastens nichts bringt, fahren die Dursleys mit Harry kurzerhand auf eine Insel. Die Insel mit nur einem Leuchtturm liegt mitten im stürmischen Meer. Damit hoffen sie, dem Absender endlich zu entkommen.

Harry Potter Heldenreise Stufe 3

Stufe 4. Begegnung mit dem Mentor

Als in der Nacht zu Harrys elftem Geburtstag die Uhr auf 12.00 springt, tritt der Halbriese Hagrid die Tür zum Leuchtturm ein. „Du bist ein Zauberer, Harry!“ eröffnet er dem verblüfften Jungen. Der Halbriese erzählt Harry, dass er in Hogwarts angenommen ist und dort zum Zauberer ausgebildet werden soll.

Harry Potter Heldenreise Stufe 4

Stufe 5. Überschreiten der ersten Schwelle

Hagrid reist mit Harry in die Winkelgasse nach London, um ihn für seine Zeit in Hogwarts auszustatten. Dort erzählt Hagrid ihm auch von Voldemort. Harry steigt am Gleis 9 3/4 in den Zug nach Hogwarts.

Harry Potter Heldenreise Stufe 5

Stufe 6. Bewährungsproben, Feinde, Verbündete

Im Zug lernt Harry Ron und Hermine kennen. Die drei finden in Hogwarts heraus, dass der dreiköpfige Hund „Fluffy“ den Stein der Weisen bewacht, der seinem Besitzer Unsterblichkeit verleiht. Sie machen sich auf den Weg, den Stein zu suchen. Dabei begegnen sie vielen Hindernissen, wie einem überlebensgroßen, gewalttätigen Schachspiel.

Harry Potter Heldenreise Stufe 6

Stufe 7. Vordringen in die tiefste Höhle

Harry dringt in das Versteck des Steines vor und trifft dort auf Professor Quirell, von dem Voldemort Besitz ergriffen hat.

Harry Potter Heldenreise Stufe 7

Stufe 8. Entscheidungskampf

Quirell beziehungsweise Voldemort versucht Harry umzubringen, ist aber zu schwach. Quirell stirbt, doch Voldemort entkommt.

Harry Potter Heldenreise Stufe 8

Stufe 9. Belohnung und Ergreifen des Schwerts

Im Kampf schafft es Harry, den Stein der Weisen in seinen Besitz zu bringen.

Harry Potter Heldenreise Stufe 9

Stufe 10. Rückweg

Harry kommt geschwächt vom Kampf auf der Krankenstation zu sich. Dumbledore erklärt ihm, dass Harrys Mutter sich für ihn aufgeopfert hat und er deshalb für Voldemort unantastbar war.

Stufe 10 der Heldenreise

Stufe 11. Erneuerung, Verwandlung, Wiedergeburt

Nachdem Harry Quirell besiegt hat, kehrt er mutiger und erwachsener zu seinen Freunden zurück. Und Gryffindor gewinnt den Hauspokal.

Harry Potter Heldenreise Stufe 11

Stufe 12. Rückkehr mit dem Elixier

In den Schulferien fährt Harry zurück den Dursleys, mit dem Selbstbewusstsein und dem Wissen, ein echter Zauberer zu sein – und etwas ganz Besonderes.

Harry Potter Heldenreise Stufe 12
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Svenja Walter<br>Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Svenja Walter
Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Erst die Pandemie, dann Krieg in Europa und eine drohende Inflation. Wir kommen nicht zur Ruhe und versuchen  doch jeden Tag aus der Angst und der Unsicherheit rauszukommen. Sicher ein ganz normaler Instinkt – denn nach dem viel zu langen Ausnahmezustand brauchen wir endlich wieder Normalität.

Was wir privat kaum hinkriegen, ist beruflich noch viel schwieriger. Denn auch wenn woanders Bomben fallen, müssen wir weiter für unseren Lebensunterhalt sorgen und deshalb weiter Inhalte „spielen“. (Schon das Wort zeigt, wie wenig der Contentgedanke in eine Zeit passt, in der es um Leben und Tod geht.)

Was können wir tun, um wieder an Umsätze und Zielerreichung anzuschließen? Und gleichzeitig mit der notwendigen Empathie, Feinfühligkeit und Pietät vorgehen?

Inhalt von diesem Blogbeitrag

Erlaube Dir, Deine Jahresplanung anzupassen.

Vorweg eine Metapher. Viele von uns haben in der Pandemie zugenommen und passen deshalb nicht mehr in ihre Hosen. Anstatt uns dauerhaft schlecht zu fühlen, weil die Hosen drücken, dürfen wir uns einfach neue Hosen kaufen. Das heißt nicht, dass wir aufgeben, nicht mehr zum Sport gehen und jeden Abend Chips essen. Sondern dass wir einen unangenehmen, vielleicht sogar belastenden Zustand angenehmer machen, indem wir eine vorübergehende Lösung suchen. 

Genauso ist es auch mit unserer privaten und geschäftlichen Jahresplanung. Die mussten wir schon in der Pandemie anpassen – und müssen es auch jetzt. Wir hatten uns vorgenommen dieses Jahr mindestens 40 Onepager rauszubringen. Pro Onepager ein aktuelles Lernfeld knackig aufbereitet. Super für die immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen – und ihr habt das Anfang des Jahres dankbar angenommen.

Durch den Krieg in der Ukraine und den neuen Schlag in die Magengrube unserer Sicherheit hat sich die Dynamik aber so verändert, dass das nicht mehr passt. Zum einen fühlt sich die pure Produktmenge (40??? Undenkbar!) plötzlich komplett verkehrt an. Zum anderen sind die geplanten Themen teilweise hinfällig.

Gerade in Krisen sind wir darauf gepolt, nur die Angebote wahrzunehmen, die uns das Überleben erleichtern. Da haben wir keinen Kopf für Grundlagenarbeit („Mit dem Thema wollte ich mich schon lange Mal ausführlich auseinandersetzen“) und „Nice to have“ Inhalte taugen höchstens zur Ablenkung („So kreierst Du eine Capsule Wardrobe“).

Stell Dein Handy auf lautlos, setz Dich mit einer Tasse Tee in eine gemütliche Ecke und wirf einen frischen Blick auf Deine Jahresziele.

Was willst und kannst Du jetzt wirklich leisten?

Frage Dich: Ist das so noch realistisch? Möchte ich das jetzt noch umsetzen, oder stresst mich das eher? Könnte ich meinen Kunden mit meiner Expertise jetzt einen anderen, vielleicht sogar größeren Mehrwert bieten?

Umzuschwenken und sich an die Gegebenheiten des Marktes, die Wünsche der Kunden und die durch neue Situationen entstandenen Bedürfnisse anzupassen, ist kein Rückschritt. Sondern unternehmerisch verantwortungsvolles Handeln, dass Dich menschlich und sympathisch macht.

Auch wir sind in Klausur gegangen. Und haben festgestellt: es wird im Jahresverlauf definitiv weitere Onepager geben. Aber nicht jetzt und vielleicht zu anderen Themen. Anstatt dessen haben wir gerade das Heldenreise EBook veröffentlicht – ohne großes Tamtam. Denn das Thema passt wunderbar in diese Zeit und kann jetzt vielen eine große Stütze sein.

Wenn Du Deine Jahresziele solch einem befreienden Frühjahrsputz unterzogen hast, ist Zeit für die Überlegung: „Was kann ich jetzt überhaupt noch posten?“ 

Drei wichtige Parameter für Content in Krisenzeiten

Im Folgenden verraten wir Dir die drei Parameter, die wir in den letzten Wochen wiederholt bei unseren eigenen Inhalten angewendet haben und die auch für Deine Contentstrategie hilfreich sind:

1. Angemessene Energie

Der allerallerwichtigste Punkt. Als ich diese Woche nach meiner dreiwöchigen Social Pause – die zufällig in den Zeitraum des Kriegsausbruchs fiel – zurückkehrte, habe ich für die untenstehende Story ganz viel liebes Feedback bekommen. 

Das zeigt: es ist momentan wichtig, dass wir die eigenen Energien an die Energien anpassen, die uns umgeben. Sonst fallen wir schnell unsympathisch auf und kommen unter die Räder. Worauf müssen wir dabei besonders achten?

    1. Schraub die Selbstpromotion runter. Weniger „Ich bin heute bei einem coolen Kunden“ und „Kauf mein Produkt, denn nur so wirst Du erfolgreich“. Alle sind mit sich selbst beschäftigt und viele orientierungslos. Nichts macht jetzt weniger Spaß, als jemandem zu folgen, der so tut, als hätte sich nichts verändert. Wenn Du verkaufst, dann mit einer Story als Aufhänger und so, dass es sich organisch ergibt und „fließt“. Nicht mit dem Holzhammer.
    1. Apropos nichts verändert: Vorsicht bei Urlaubsfotos. Ja, wir müssen uns alle auch in diesen Zeiten erholen. Das öffentlich zu zeigen (vor allem wenn es so sorglos und luxuriös wirkt, als hättest Du vom Krieg noch nie gehört) kann aber auch negativ ankommen. Auf der sicheren Seite bleibt man mit kraftgebenden Urlaubsmomenten und Naturposts vom Sonntagsspaziergang.
    1. Leid und Geschäft bitte niemals verknüpfen. Ganz schlimm: „10 Prozent unseres Umsatzes spenden wir heute an die Ukraine.“ Wer wirklich helfen will, muss dazu nicht überteuerte Produkte raushauen und sich 90 Prozent selbst in die Tasche stecken. #nogo Das geht anders, besser, einfühlsamer.
    1. Dreh die Empathie hoch. Hab Verständnis für die Lage der Welt. Mach sie zum Thema. Sprich darüber, wie Du mit Freunden darüber sprichst. Und: Wenn Du helfen willst, mach das. Auch das darfst und sollst Du erzählen – aber lieber mit Worten, als mit Bildern. Und wenn mit Bildern, dann mit geschmackvollen. Also keine Selfies bei der Anti-Kriegs-Demo und in Rettungswesten. Sonst kann die Tatsache, dass Du ein guter Mensch bist, schnell aussehen wie zum Flexen verkommenes Gutmenschtum.

Wie können wir weiterhin unsere Themen erzählen und sie gleichzeitig zugänglich und sympathisch verpacken?

2. Human Touch

Jetzt gilt: Je natürlicher, desto besser. Das heißt aber nicht, dass wir uns alle vor die Kamera setzen und über unsere Gefühle jammern. Sondern dass wir textlich und visuell Inhalte anbieten, mit denen sich unsere Kunden und Follower einfacher verbinden können. Die allen jetzt „mehr reinlaufen“, weil sie unsere Realität und unsere Gefühle spiegeln.

    1. Keine Stockfotos und so wenig Businessfotos wie möglich. Wenig Konferenzräume, wenig Hosenanzüge, wenig Netzwerktreffen. Passender ist eine Home Office Umgebung, Casual Wear und zum Beispiel die Mittagspause im Englischen Garten, wo man sich mit Kollegen oder Geschäftsfreunden zum Meeting im Gehen trifft. Je nahbarer, desto besser.
    1. Menschliches Storytelling, zum Beispiel mit Handschriften (oft besser als Typo) und Zeichnungen (oft besser als Fotografie). 
    1. Texte am heutigen Sprachgebrauch entlang. Wenn wir oben im Text das Beispiel der nicht mehr passenden Hosen verwenden, dann weil wir aktuell immer wieder auf Menschen treffen, die ihre Pandemiepfunde nicht loswerden.
    1. Überprüfe Deine bereits programmierten Inhalte und Anzeigen. Was vor einigen Wochen noch Ok gewesen wäre, kann jetzt unpassend sein. So wie die folgende Louis Vuitton Anzeige in der New York Times, die in dem jetzigen visuellen Umfeld grenzwertig wirkt.
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3. Aktuelle Beispiele

Wir arbeiten gerade an einem Blogpost über die Heldenreise im ersten Teil von Harry Potter. Das könnte nicht weniger mit unserer aktuellen Situation zu tun haben, oder? Stimmt – und deshalb mussten wir erstmal aktuelle Beispiele für die große Bedeutung von Storytelling  finden, um sie am Anfang des Blogposts erzählen zu können. Das hier sind die Beispiele, für die wir uns entschieden haben:

1. Wir erzählen von „Call Russia“, einer littauischen Initiative, die Landsleute dazu aufruft, in ihrem Heimatland anzurufen. Am Telefon versorgen sie die Angerufenen mit Fakten über Russlands Invasion in die Ukraine, um so die von Russland verhängte Medien- und Informationssperre im Land zu umgehen. Spitze – so geht Guerilla-Storytelling in Krisenzeiten. 

2. Wir geben wieder, was Halle Berry gerade in einer Dankesrede beim Critics Choice Award über die Bedeutung von Storytelling gesagt hat. Nämlich dass wir durch gut erzählte Geschichten die Möglichkeit bekommen über unser eigenes Leben hinauszudenken, aufhören zu urteilen und wirkliches Mitgefühl für Menschen in anderen Lebensumständen entwickeln. Ein wertvoller Gedanke in diesen außergewöhnlichen Zeiten.

Erst nach diesen aktuellen Beispielen zeigen wir die Grundstrukturen der Heldenreise am Beispiel des Harry Potter Films auf – weil die Leser jetzt hoffentlich bereits einen Bogen in ihre Lebenswirklichkeit schlagen konnten. Begriffen haben, das Storytelling in Krisenzeiten wichtig ist. Und vielleicht Lust auf mehr Infos bekommen haben. 

Wie kannst Du diesen Trick anwenden?

a) Scanne die Medien auf Deine Inhalte. Egal ob Du Nachhaltigkeitscoach bist („Wir brauchen keine Kleiderspenden mehr“ ist einmal mehr Beweis für unser Leben im Überfluss, denn wirklich alle haben zu viel Kleidung), Ernährungsexpertin („Was passiert im Körper bei Stress – und was braucht er deshalb?“) oder Finanzberater (steigende Spritpreise, drohende Inflation, Zusammenhang der Märkte) – die Möglichkeit aktuelle Themen aufzugreifen besteht wirklich immer.

Welche aktuellen Zitate, Aktionen, Initiativen sowie kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen passen zu Deiner Expertise? Kannst Du diese als Beispiele zitieren, als food for thought posten oder mit Deinem Fachwissen für Deine Follower aufwerten?

b) Hör genau hin, was Dir gerade nicht gefällt. Oft hast Du durch Dein Spezialwissen Dein Ohr am Puls der Zeit. Auch wir können diesen Artikel für Dich nur schreiben, weil wir einen messerscharfen Blick auf Inhalte werfe. Egal ob wir durch Instagram scrollen oder die New York Times lesen: wenn wir eine innere Ablehnung spüren, schauen wir sofort, welche Kommunikationsmuster uns da triggern – und wenn das fachlich spannend ist, teilen wir es im Team. 

Genauso werden Dir gerade Sachen negativ aufstoßen. Überleg einmal, welche Systematik sich dahinter verbirgt und was Deiner Meinung nach schief läuft. Sprich öffentlich darüber – denn Du bist sicher nicht die einzige Person, der es so geht. Bleib dabei immer konstruktiv und zeig emphatische Lösungsansätze auf.

Wir freuen uns, wenn Dir der Artikel gefallen hat und Du Dir ein paar Notizen machen konntest, um in diesen Zeiten besser in Dein Erzählen und Deine Stimme hineinzufinden.

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Heldenreise

Wie kriege ich ein erfolgreiches Leben hin?

Wie kriege ich ein erfolgreiches Leben hin?

Svenja Walter<br>Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Svenja Walter
Digital Storyteller & Onlinerin der ersten Stunde

Unsere Lebensgeschichte erfolgreich zu gestalten, erscheint den meisten von uns wie eine Mammutaufgabe. Am hilfreichsten finde ich Kierkegaards Rat unser Leben „vorwärts zu leben und rückwärts zu begreifen“. Aber was müssen wir dafür tun?

„Ich habe einfach keine Zeit Sport zu machen, meine Selbstständigkeit neben meinem Job einzutüten, jeden Tag frisch zu kochen …“. Natürlich nicht, wenn wir unsere Prioritäten so setzen, dass unsere Zeit woanders hin fließt. Wenn wir vor Netflix abhängen, uns mit Leuten treffen, die uns nicht weiterbringen oder sinnlos auf Social Media surfen.

Um „vorwärts zu leben“ müssen wir vor allem die klare Entscheidung treffen, auf ein Ziel hinzuarbeiten – und diese dann nicht jeden Tag aufs Neue in Frage stellen, sondern an ihr festhalten.

Wir müssen jeden Tag die kleinen Schritte ausführen, die uns der Aktivität, der Idee, dem Ziel näher bringen. Und so unsere Lebensgeschichte vorwärts erfolgreich gestalten.

Ein Beispiel: Wir wollen ein Unternehmen gründen. Also machen wir einen Plan, unterteilen ihn in viele kleine, aufeinanderfolgende Schritte und setzen diese täglich um. Wäre das so einfach, wären wir alle erfolgreich. Was passiert also auf dem Weg und warum sabotieren wir uns so oft selbst und visualisieren das mit Begriffen wie „innerer Schweinehund“?

Eine erfolgreiche Lebensgeschichte beruht auf demselben Trick, der uns einen Berg besteigen lässt.

Wir wandern, anstatt zu rennen. Stetes Tempo, nicht zu schnell. Den Blick immer auf den nächsten Schritt gerichtet und den Fuß achtsam dort aufgesetzt, wo er dem Körper sicheren Halt bietet. 

Was wir noch brauchen: Positive Weggefährten, die uns begleiten. Pausen, in denen wir rasten, etwas trinken, etwas essen und uns entspannen, ausruhen und erholen. In denen wir unsere physischen und psychischen Kräfte bewusst sammeln, um uns danach wieder konzentriert und fokussiert auf den Weg zu machen.

Bei einer Wanderung – oder generell bei physischen Tätigkeiten – ist es gesellschaftlich akzeptiert, dass Pausen notwendig sind, um etwas zu leisten. Das erklärt die heilige Mittagspause von Handwerkern und warum wir einen farbbeklecksten Maler im Blaumann mittags an der Supermarktkasse eher vorlassen, als einen Banker im Anzug.

Doch: Je unsichtbarer unsere Tätigkeit für Außenstehende ist, je weniger wir selbst ein Ergebnis sehen, desto mehr neigen wir dazu, uns Pausen zu untersagen. Passiert oft bei Berufen, bei denen man tagein tagaus am PC sitzt und keine materiellen Fortschritte in den Händen hält. Dabei sind gerade geistige und kreative Tätigkeiten hochanstrengend für uns und unseren Körper. 

Was können wir tun, um nicht in die Falle zu tappen und durch systematisches Überarbeiten und falsch verstandene Disziplin unseren Drive zu verlieren?

Verstehen, dass Körper und Geist wirklich zusammenhängen und dass wir zur erfolgreichen Lebensgestaltung auch Seelennahrung brauchen. 

Spaziergänge in der Natur. Ein gutes Buch lesen, draußen auf dem Balkon, mit einer warmen Tasse Tee und eingewickelt in eine kuschelige Decke. Die Umarmung eines Freundes oder unseres Partners. Gespräche, die uns nach vorne bringen und unsere Energien wieder aufladen. All das dürfen und müssen wir aktiv in unser Leben holen, um den langen Mittelteil unserer Heldenreise durchzustehen.

In einer Welt voller endorphingeladener Ablenkungen haben wir diese Balance nahezu verlernt. 

Kennen kaum noch das gute Gefühl irgendwo auf der Welt zu sitzen und einer kreativen Tätigkeit nachzugehen. Zwischendurch hochzuschauen und über einen Gedanken zu sinnieren. Und dann die Energie zu spüren, wenn der Gedanke so interessant ist, dass wir ihm nachgehen wollen. Das ist etwas ganz Wertvolles. Das sind Seelen- und Gedankenaktivitäten, die wir brauchen, um mental gesund zu bleiben.

Du kannst nicht vor Dir selbst weglaufen. Nicht durch Konsum, nicht durch Betäubung, nicht durch Verdrängen, noch nicht einmal durch Schlaf.

Jedes Mal etwas dazulernen. Schritt für Schritt. Aufgabe für Aufgabe. Mit nach vorne gerichtetem Blick, guter Orientierung und dem Mindset eines ewig Lernenden.

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