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Werbemittel Hofbräuhaus Traunstein

Brauerei Marketing

Werbemittel Hofbräuhaus Traunstein

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Wie kommt eine Bierflasche zu ihrem neuen Etikett? Ein Gespräch zwischen Brauer Maximilian Sailer und Uwe Walter über den Storytelling-Prozess im Hofbräuhaus Traunstein.

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MS: Kennengelernt haben wir uns bei einem Storytelling Workshop für die bayerischen Braujunioren. Ich habe gleich gemerkt: Du kannst mit den großen Geschichten und einer Brauerei unglaublich viel anfangen. 

UW: Für mich war das eine Entdeckung, dass Bier so narrativ ist – wie ein Paradies fürs Geschichten erzählen. Wie das Bier hergestellt wird, was die Menschen beim Bier trinken erleben, die Geschichte der Brauereien. Und dann zu sehen, was die Unternehmer in den Brauereien alles zusammenbringen. Sie müssen alle Ideen so verknüpfen, dass nachher eine runde Sache daraus wird. Auf ihrer Website, ihrem Etikett, im Marketing, auf Social Media, in der Teamführung – letztlich in allem.

MS: Intern haben wir zwar gefühlt: „Das, was wir an Werbeaussagen haben, ist schon gut.“ Aber nach ein, zwei Jahren hatte das der Mitbewerber dann auch auf dem Plakat stehen. Offensichtlich ist es doch nicht individuell und nicht das, was wir wirklich sind.

UW: Du hast mich damals angerufen und mich gefragt: Kannst Du uns helfen, das Profil der Brauerei zu schärfen? Ich bin zu euch rausgefahren, Du hast mir das ganze Hofbräuhaus Traunstein gezeigt und wir sind uns ziemlich schnell einig geworden.

Mit dem Geschichten Baum zu den Wurzeln der Brauerei

MS: Deine erste Idee war, einen Storytelling-Baum zu gestalten. In zwei Tagen haben wir mit dem Team fast 200 Geschichten unserer Brauerei gesammelt und sie an den Baum gepinnt. 

Brauerei Marketing Workshop Traunstein
Brauerein Bier Marketing
Brauerei Marketing Workshop
Brauerei Marketing Workshop Hofbräuhaus Traunstein

Historische und traditionelle Geschichten an die Baumwurzeln. Die Baumkrone trägt all die Geschichten, die wir jetzt schreiben. Alle Abteilungen, alle Menschen, die diese Brauerei prägen. Und natürlich auch die ganzen Umstände drumherum. Der Himmel obendrüber, die Landschaft, die ganze Region.

Storytelling Baum

Zielgruppe, WHY und neue Etiketten

UW: Danach waren alle auf der „same page“, das war unsere Grundlage. Und dann ging ein richtiger Prozess los, mit unzähligen Fragen. Wie setzen wir das jetzt konkret um? Wie entwickeln wir das Marketing, die Brauerei, die Etiketten weiter? 

MS: Wir haben unsere Zielgruppen neu definiert, unser Why herausgearbeitet und hatten dann im nächsten Markenworkshop schon sehr viele Partner an der Seite. Vom Texter über die Grafikagentur, die Innenarchitektin für die Brauereiführungen. Da ging es auch schon ums Wappen, um die Etiketten. Die Themen kamen dann das erste Mal auf den Tisch – denn in dem Umfang war uns vorher gar nicht klar, wo wir da am Ende rauskommen. Es ist jetzt ein Jahr her, dass wir so in die konkreten Details gegangen sind.

Zielgruppen Analyse Storytelling Brauerei

UW: Ja, das war ein Riesenschritt. Die richtigen Menschen zu finden und die ersten Prototypen zu entwerfen für all diese Erlebnisbereiche.  

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„Das seid’s nicht ihr.“

MS: Und da hatten wir diesen A-HA Moment, als wir die fünf Entwürfe für die Etiketten unserer Biermarken bekommen haben. 

Ich weiß noch genau, dass ich sie Dir vorab geschickt habe und dann kam irgendwann eine irre lange Textnachricht mit dem Tenor „Wir müssen uns unterhalten“. Im Telefonat hast Du mir dann gesagt: „Lieber Maximilian, das seid’s nicht ihr.“ 

Und ich dachte: „Das ist ja der Wahnsinn. Wir haben jetzt ein Jahr lang gearbeitet, mit den Designern gesprochen. Jetzt wird doch bei einem von diesen Fünfen um Gottes willen einer dabei sein und dann machen wir einen Haken und dann ist eh noch genug zu tun.“

Ist das wirklich einzigartig?

MS: Eineinhalb Stunden haben wir telefoniert und Du hast gemeint: „Überleg einmal, das was da drin ist – ist das wirklich einzigartig? Seid das wirklich ihr? Oder ist das jetzt einfach etwas Modisches? Ihr seid doch nicht modisch. Ihr macht doch nichts, was man nach fünf Jahren wieder überarbeitet. Ihr müsst euch doch eigentlich hinsetzen und für jede einzelne Biersorte ein richtiges Booklet erarbeiten mit mehreren Seiten.“ 

Du hast das ins Detail analysiert und uns einen sehr guten Hinweis gegeben in die Richtung, wo es weitergehen soll.

Das hat sich ein bisschen wie die Stunde Null angefühlt und ich wusste gar nicht, wie ich damit jetzt umgehen soll. Ein paar Nächte drüber geschlafen hab ich. Und dann haben wir uns im gesamten Team zusammengesetzt und gesagt: „Naja, eigentlich hat er doch recht. Das ist wirklich was Modisches. Und jetzt, wo Du es sagst: So richtig gefallen hat es uns eigentlich auch nicht.“ Das kam dann so richtig raus aus den Leuten.

Die Stunde Null – wir nehmen jede einzelne Biermarke unter die Lupe und erstellen ausführliche Booklets

MS: Und dann haben wir gesagt: OK, wir starten nochmal von Null mit dem Thema Etiketten. Wir haben einen Brainstorming Prozess gestartet. Haben uns mit den Braumeistern, mit dem Marketing und dem Vertrieb zusammengesetzt und haben über Monate lang jedes einzelne Bier analysiert. Für jedes Bier mehrere Stunden lang alles aufgelistet und auf den Tisch gelegt. Die ganzen alten Werbemittel. 

Wie haben die Etiketten vor 100 Jahren ausgeschaut?  Was ist eigentlich die Sortenhistorie bei uns im Hofbräuhaus? Seit wann gibt es die Sorte? Wer trinkt denn diese Sorte eigentlich? Das war sehr aufwändig – aber wir haben damit was ganz Besonderes geschaffen.

Werbemittel Hofbräuhaus Traunstein

MS: Wir haben es geschafft, den Charakter, die Seele jedes einzelnen Bieres rauszuarbeiten. Das war wirklich ein Booklet von mehreren Seiten pro Biersorte, das als Briefing an die Designer ging. Und die haben dann in liebevoller Handarbeit jedes einzelne Etikett handgezeichnet, so dass es kleine Kunstwerke geworden sind.

Etikette zeichnen Bier Marketing

Letzte Korrekturphase

MS: Wir hatten dann wirklich die Etiketten im zweiten Gang schon so gut, aber trotzdem hast Du immer nochmal ein paar Details gebracht, wo Du sagst: „Achtet mal auf dies, achtet auf das.“ Das waren halt noch ganz wertvolle Hinweise von Dir. 

UW: Ja das fand ich auch nochmal eine Sternstunde. Wo wir nochmal gesagt haben: Wie bringen wir eine Linie rein, dass wir eine Produktfamilie haben? Es muss Selbstähnlichkeiten geben zwischen den einzelnen Biersorten und den Etiketten. Aber gleichzeitig brauche ich eine hohe Individualität jedes einzelnen Bieres. Das auszuloten war noch der letzte Baustein.

Die neuen Etiketten – ein Meisterwerk

UW: Und als ich dann die Ergebnisse gesehen habe war ich so glücklich und hatte wirklich da Gefühl: Das ist ein Meisterwerk.

MS: Ja – und so fühlt es sich für uns auch an.

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Was ist Storytelling

Was ist Storytelling?

Was ist Storytelling
Was ist Storytelling

Was ist Storytelling?

Als ich das Glück hatte, von dem legendären Filmemacher, Fernsehproduzenten, Autoren und Philosophen Prof. Alexander Ernst Kluge zum Thema Storytelling interviewt zu werden, kam ich pudelnass im Studio an. Draußen tobte ein Jahrhundertsturm.

Herr Kluge lieh mir sein Sakko, das mir aber an den Schultern viel zu eng war. Daran liegt es, dass ich weniger gestikuliere - aber wenigstens war ich trocken.

Diese kleine Anekdote ist eigentlich sinnbildlich für das, was Alexander Kluge ausmacht. Er ist wirklich interessiert an Menschen, an ihren Geschichten und ihrem Wohlergehen – ein Zuhörer.

Dieses TV-Interview lief 2017 bei RTL auf einem ganz besonderen Sendeplatz. Denn Kluge ist es mit der Gründung der dctp (Development Company for Television Program) 1987 gelungen, eine Plattform für unabhängige Programme im deutschen Privatfernsehen zu schaffen. Sein Bestreben ist dabei:

„Das Fernsehen offen zu halten für das, was außerhalb des Fernsehens stattfindet“.

Einige der Themen, die wir in unserem intensiven Austausch über Storytelling ansprechen:

Teil 1: Storytelling

– Was unterscheidet Erzählen von Information?

– Wieso ist das chronologische Erzählen so wertvoll?

– Wieso ist Zuhören für Storytelling so wichtig?

– Wie die Unterdrückung von Individualität zu Krisen und Kriegen führen kann.

– Was ist die Heldenreise? Und wie hat George Lucas sie in Star Wars angewendet?

– Die Aufgabe des Traumas in einer Geschichte? Und die der Gefährten?

– Was macht einen Held aus?

– Was sind die Vorteile multiperspektivischen Erzählens?

Teil 2: Jedes Tischtuch erzählt eine Geschichte

– Warum jeder Mensch interessant ist – und evolutionäres Know-how in sich trägt.

– Wie wir mit Geschichten das Leben erzählen können.

– Wie werden aus Geschehnissen Geschichten?

– Warum Geschichten Zeit und Humor brauchen.

– Wieso auch Tiere und Pflanzen kommunizieren – und wir ihre Sprache oft nicht (mehr) entschlüsseln können.

– Wer sind meine Lieblingserzähler? Wo bekomme ich meine Inspirationen?

Zoom Event Alumni Club

Storytelling in Radio und Podcast

Zoom Event Alumni Club
Alumni Club Radio Podcast

Storytelling Radio & Podcast

Wer einmal in der Storytelling Masterclass war, ist danach „lebenslang“ im Storytelling Masterclass Alumni Club. Dort bilden wir uns sechsmal im Jahr kostenlos weiter – um auf dem Laufenden und miteinander in Kontakt zu bleiben.

In diesem Post zeigen wir euch drei kleine Ausschnitte aus einem unserer virtuellen Alumni Meetings, um euch einen kleinen Einblick zu geben. Es ging um das Thema „Kopfkino – Was gutes Storytelling im Radio und beim Podcast bewirken kann.“

Wie lerne ich meine Hörer kennen?

Sigi Sommer war der bekannteste Journalist der Münchner Abendzeitung. Der Unterschied zu seinen Kollegen? Er war nie im Büro. Anstatt dessen hat er seine täglichen Artikel draußen geschrieben. Er saß im Café, im Biergarten, redete mit den Menschen. Und jeder Leser der Münchner Abendzeitung hatte das Gefühl, dass in dieser kleinen Kolumne Leben ist – von Menschen, von draußen.

Wenn ich als Moderator oder Redakteur einer Sendung rausgehe und mit Menschen rede, hat das einen großen Einfluss auf mich. Ich muss dann aber auch einen Raum der Transformation haben, der Anpassung.

Will man Radio oder Sendungen wirklich verbessern, ist das größte Geheimnis die Begegnung mit dem Antagonisten, also mit dem Gegenhandler. Der Protagonist bin ich, ich handle, mache zum Beispiel einen tollen Podcast. Um wirklich gut zu werden und gute Geschichten zu erzählen, muss ich mich mit der anderen Meinung, dem Gegenüber auseinandersetzen.

Jetzt stellt sich die große Frage:

– Wie lerne ich die Hörer kennen?

– Auf welche Weise kann ich das systematisieren?

– Was ist das Schöne an dieser Person?

– Was liebt diese Person? Was sind die Träume dieser Person?

– Wo sind ihre Herausforderungen? Was sind ihre Schmerzen?

Und für mich von großer Bedeutung und immer eine magische Storytelling-Frage:

Sag mir, was du liebst und wo Du an deine Grenzen kommst?

Bei dem Punkt „an die Grenzen kommen“ wird es sofort wahnsinnig interessant und charaktervoll.

Ideen für Zuhörer*innen

    1. Wer ist die Person?
    2. Was ist das Schöne an ihr?
    3. Was liebt sie?
    4. Was sind ihre Träume?
    5. Was sind ihre Herausforderungen?
    6. Was sind ihre Schmerzen? Ihre Grenzen?
    7. Wie können wir ihr zuhören? Der Person eine Bühne geben?
    8. Wie helfen wir der Person sich gut zu fühlen und sie abzuholen?

Hier kannst Du mit einem Klick die Storytelling Fragen für Zuhörer in Radio und Podcast gratis herunterladen.

Wenn ich diesen Prozess mit Radiosendern oder in Unternehmen durchführe, findet das in umfassenden Workshops statt. Beim Radio nehmen wir bereits versendete Stücke, schneiden diese neu zusammen und produzieren sogar komplett neue Stücke in einem anderen Stil. Und die führen wir Menschen vor. 

Beim großen Antenne Bayern Relaunch haben wir z.B. ganz viele Befragungen gemacht – bei bestehenden Hörern und bei Hörern von anderen Sendern, die wir gerne für uns gewinnen würden. Wir haben ihnen alles vorgespielt – jeden Moderator, jede Stimmung, alle Inhalte. Und haben dabei zum Beispiel auch beim Wetterbericht fünf verschiedene Varianten angefertigt, um herauszuhören: welche spricht den Hörer am meisten an?

Du musst folgendes wissen, sonst eierst Du rum: Ohne Kunden kein Erfolg.

Deshalb ist es ja auch so genial, wenn ich einen Podcast mache: Ich kann mich selber erzählen. Ich kann selbst Geschichten erzählen oder ich habe jemanden vor dem Mikro, eine andere Person. Oder, was bei Clubhaus jetzt interessant ist, ich hole mir acht Leute zum Thema Storytelling. Und rede mit acht verschieden Menschen auf der Bühne darüber, was ja multipersonal ist. Vielleicht ist sogar noch ein Gegner dabei, der es gar nicht interessant findet und dann kommen noch Follower auf die Bühne.

Wie erzähle ich Heimat?

Klassische Radiosender haben immer eine Beziehung zum Sendegebiet. Sie heißen Antenne Niedersachsen, Antenne Bayern, WDR oder SWR. 

In einer tiefenpsychologischen Studie in Kärnten (Österreich) haben wir herausgefunden, was die Leute im Radio auch hören wollen – nämlich ihre Beziehung zur Heimat. Sie wollen wissen, dass sie an einem tollen Ort leben. So ein bisschen wie „unser Ort ist besonders oder schöner als der andere Ort“.

Jetzt geht es nicht darum, das Thema marketingmäßig und subjektiv zu überladen. Sondern darum, das Besondere, den USP herauszuarbeiten. Warum ist zum Beispiel NRW einzigartig?

Das ist beim Podcast natürlich anders, weil ich einen Podcast überall empfangen kann. Hier muss ich mir imaginär überlegen: Was ist eigentlich das Territorium, auf dem ich spiele? Das ist eine bedeutende Entscheidung und eine sehr wichtige Frage.

Die Sprache

Da sind meine Ideen: Wie sind wir hier? Was ist die Sprache in Sachsen oder Thüringen? Wie leben wir hier, was sind die Werte?

Ein großes Thema ist zum Beispiel: Die Schweizer sprechen Schwyzerdütsch. Im Schwyzerdütsch fühlt man sich zuhause. Aber geh mal rüber nach Berchtesgaden. Jedes Dorf hat eine andere Sprache, eine andere Form des Dialekts und die Leute wollen genau das hören. Es ist wichtig für sie.

Ich erinnere mich, dass Antenne Bayern anfangs überhaupt nicht bayerisch geklungen hat – null. Das sollte klingen wie für jedermann und war künstlich draufgesetzt. Dabei ist es so wichtig. Wie erzähle ich meine Heimat, meine Beziehung zu meinem Land – die mir auch das Geld dafür geben. Wie sind unsere Werte da drinnen, wo sind wir komparativ, wo sind wir vergleichbar oder besser – Superlative.

Besonderheiten aus der Region

Oder was auch süß ist, wir haben vielleicht die schlechteste Fußballmannschaft Deutschlands. Es gab mal einen wundervollen Artikel in der ZEIT von der erfolglosesten Fußballmannschaft Deutschlands – die Verkleinerungsform. Es geht nicht einzig um das Größte. Aber tatsächlich orientieren sich Menschen immer, wollen wissen, wie sie besser vorankommen. Wir sind Selbstoptimierungswesen.

Und dann ist auch immer von Bedeutung: Wie erkenne ich mich wieder? Wie erkenne ich mich in der Heimat wieder? 

Ideen zu Heimat erzählen

    1. Wie sind wir hier? Wie leben wir hier?
    2. Wie sind unsere Sprachen?
    3. Wie sind unsere Werte? (Beispiele geben)
    4. Wo sind wir komparativ? Wo sind wir superlativ? Wo diminutiv?
    5. Wie erkenne ich mich hier wieder? (Rückkopplungen)
    6. Wie entwickeln wir unsere Heimat weiter?

Hier kannst Du mit einem Klick die Storytelling Fragen zur Heimat gratis herunterladen.

Eine Tante von mir guckt zum Beispiel gerne K11 – eine Krimiserie, die in München gedreht wird. Und sie sagt, sie liebt es auch, weil sie alle Locations wiederkennt. Also müssen wir uns fragen: Wie erkenne ich im Radio, ob das Radio auch für mich gemacht ist, wenn ich in Hamburg oder in Lüneburg lebe? Das hören die Menschen am Sound. 

Die Hörer lieben es, wenn möglichst viel reportagig erzählt wird, so dass ihre Heimat lesbar wird. Deshalb brauchen wir Formate im Programm, in denen wir Heimat erzählen. Wo wir die Stimmen der Menschen abbilden, sie zu Wort kommen lassen.

Ich durfte schon bei vielen Senden die On Air Promotion weiterentwickeln. So ist zum Beispiel bei Antenne Bayern die Idee der Heimathymne entstanden. 

Oder wir sammeln authentische O-Töne: „Es ist so schön, in Bayern zu leben, wenn ich morgens mit dem Rad an der Isar entlang fahre.“ Man muss versuchen, die Heimat zu erzählen. Nicht nur zu behaupten „Wir lieben Bayern“, sondern das auch wirklich zu belegen.

Wie werden Songs zu Heldenreisen?

Ein weiterer Bestandteil beim Storytelling im Radio ist natürlich Musik. Da sagen viele „Was hat das jetzt mit der Heldenreise zu tun?“

Im Prinzip sind alle 200 oder 300 Lieder, die im Radio im klassischen Rotationsprinzip gespielt werden, kleine Heldenreisen.

Die Bedeutung von Songs verstehen

Es gibt eine Webseite namens songfacts.com. Hier kann man nahezu jeden Song eingeben und findet Seitenweise Datensätze. Außerdem gibt es weitere Links und Infos zu allem, was der Künstler jemals über diesen Song erzählt hat und was historisch darüber bekannt ist.

Normalerweise interessiert es die Musikredakteure in der Redaktion gar nicht – für sie ist Musik oft nur ein BPM-Baustein. Wie ein Brikett, das man in den Kamin wirft. Nach dem Motto: „Der Kamin muss ja brennen, also werfe ich Lieder rein und der brennt dann durch.“ Dabei hilft einem der Musik Computer, damit es zu einer gewissen Reihenfolge kommt – ein speziell aufgesetztes System.

Aber es ist die Aufgabe des Storytelling, immer wieder Seele in solche automatisierten Systeme zu bringen. Zu überlegen

„Welches Lied täte jetzt gut?“.

Wenn es ein Morgen ist und es regnet, vielleicht weint der Himmel, vielleicht weint meine Seele, weil es Montagfrüh ist und ich denke mir „Was für ein dunkler Tag, es ist kalt und unwirklich“. Aber: Ich fühle mich gerne wohl. 

Jetzt kann ich im Narrativ über ein Semantikprogramm schauen, welches Lied da gut reinpassen würde. Sowohl von der Melodie, damit die Leute eine Rückkopplung haben und ich sie aufsteigen lasse – was im heutigen Programm leider nur selten stattfindet. Das Talent wäre da, weil die Musikredakteure ja ein unglaubliches Musikwissen und Musikliebe in sich tragen.

Was kann man bei der Musik mit Storytelling machen?

Ideen zur Musik

    1. Geschichte des Songs
    2. Geschichte des Künstlers
    3. Geschichte, wie der Song entstanden ist
    4. Reaktionen von Menschen, was der Song für sie bedeutet
    5. Grund, warum wir den Song jetzt spielen: Chronobiologie, Anlass
    6. Geschichte, wie wir den Song mit der Seele der Zuhörer verbinden
    7. Songs für Menschen und ihre Geschichte

Hier kannst Du mit einem Klick die Storytelling Fragen zur Heimat gratis herunterladen.

Man kann die Geschichte des Songs erzählen. Man könnte zum Beispiel sagen:

Erinnert ihr euch an eure Jugend – an eure engsten Freundinnen, euren Lieblingsplatz im Freibad und die langen Abende am See? Oder an euren letzten Liebeskummer?

Dann habe ich eine ganz andere neuronale Verbindung, dann bedeutet der Song mir wieder viel mehr. Das nennt man auch Pre-Selling: man baut eine Rampe, damit das Lied ganz anders auf die Hörer wirken kann. 

Oder ich erzähle die Geschichte des Künstlers, oder von Menschen, die Reaktionen auf den Song hatten. Bei Songfacts gibt es zum Beispiel unter dem Songeintrag  oft hunderte von Kommentaren von Menschen, die erzählen, was sie mit dem Song assoziieren. 

Das heißt: hier habe ich einen Fundus von Stories, die ich erzählen kann – ein echter Goldschatz. Ich war überrascht, dass die meisten Radioleute davon noch nie gehört haben. Das hängt damit zusammen, dass Formatradio einen gewissen Status Quo hat, einen gewissen Workflow – und dass man gar nicht mehr wirklich an die Sachen rankommt.

Storytelling Sportmarketing Uwe Walter

Storytelling im Sportmarketing

Storytelling Sportmarketing Uwe Walter

Storytelling im Sportmarketing

Mit Storytelling zum Durchbruch bei der Ski WM St. Moritz

Der Sonnenberg in Zürich hat seinen Namen nicht grundlos. Von Sonnenstrahlen umhüllt, thront der Hügel fürstlich über der Stadt – mit Weitblick über den See auf schneebedeckte Berge. Hier residiert wer Rang und Namen hat. 

Ich sitze im überhitzten Besprechungsraum im Keller einer hellblauen Gründerzeitvilla. Ein Mitglied der Geschäftsführung betritt den Raum. Oliver, der Sohn des Gründers des größten Schweizer Unterhaltungsunternehmens. Wir haben bereits an mehreren anderen Projekten zusammengearbeitet – aber heute hat er eine neue Aufgabe für mich.

Ich soll die Projektleiterin für die Ausschreibung der Ski WM 2017 in St. Moritz unterstützen – mit Storytelling.

„Es wäre schön, wenn wir da ein gutes Konzept hinbekämen“, sagt er mit seinem verschmitzten Lächeln.

Ladina, die Projektleiterin, treffe ich in ihrem Büro im ersten Stock. Und merke gleich: für sie ist es eine Herzensangelegenheit, die Ausschreibung zu gewinnen. Wir gehen als eine von drei Agenturen ins Rennen. Aber Ladina geht es  nicht nur darum, den Auftrag ins Unternehmen zu holen. Sie will auch alles dafür tun, dass es eine großartige Ski WM für ihren Heimatort St. Moritz und für die ganze Schweiz wird.

Ladina hat diese kernige Art und Aussprache des besonderen Menschenschlags, der dort zu Hause ist. Ich spüre ihre ganz besondere Motivation und mir ist klar, dass wir den Auftrag reinholen und  dann etwas zaubern müssen, das die Veranstaltung weltweit zu einem durchschlagenden Erfolg macht. 

Die Ausschreibungskriterien erfüllen mit guten Geschichten

Als Ladina mir die Ausschreibungskriterien vorliest, merke ich, wie der Text mit all seinen Details Unbehagen bei mir auslöst. Auch weil die eigentlichen Herausforderungen entweder umschrieben oder gar nicht genannt werden. Ich frage Ladina, was mit diesen künstlich konstruierten Sätzen eigentlich gemeint ist. In meiner Fantasie geht es nämlich schon jetzt darum, einem Premium Skiparadies, das den Ursprung des Skisports verkörpert, eine neue Identität, Glaube, Hoffnung und Geschichte zu geben. 

Viele Tourismusorte – darunter auch einige heilige Orte des Sports – sind heute besonders herausgefordert. In St. Moritz ist es der immense Wettbewerb, es sind die hohen Zimmerpreise, der Zuzug von „Neureichen“ und der Wettbewerb mit neuen, disruptiven Skisportarten. 

Wie gewinnt die Schweiz endlich die Pole-Position

Seit Jahren ringt die Schweiz außerdem mit den Österreichern, dem leidenschaftlichen Skisportmarktführer – und will endlich die Pole Position gewinnen. Bei der letzten Ski WM konnten die Österreicher neun Medaillen für sich verbuchen, die Schweizer nur drei. 

Wie also schaffen wir es, dass die Schweizer Skisportler, die Sponsoren, die Verbände und die ganze Schweiz wieder in einen euphorischen Zustand kommen? Dass es gelingt, den Erfolg herzubringen und den Medaillenspiegel zu unseren Gunsten zu erhöhen? Ich sitze mit Ladina in ihrem kleinen, weiß gestrichenen Büro, sie holt uns einen Kaffee und Wasser und wir brainstormen. 

Als sie mir den Stadtplan und das Veranstaltungsgelände der Ski WM zeigt, denke ich darüber nach, wie wir das zusammenhängend, vielleicht sogar zentralistisch erzählen können. Mir kommt die Planung sehr zerfasert vor. 

Hier drüben findet etwas statt – und dann wieder dort hinten – und danach wieder ganz woanders. Aber alles irgendwie ohne Zusammenhang. Vom großen Opening-Event bis zur Abschlussveranstaltung zieht sich für mich keine stringente Geschichte durch. 

Wir diskutieren über die Eröffnungsveranstaltung, über alles Mögliche. Von Apple,  aber auch vom Burning Man oder von der Figur des Buddha habe ich gelernt: es muss ein zentrales Bild geben. Ein dreidimensionales Monument, eine Kirche oder eine Heilige Figur. Sonst sind alle Energien und Veranstaltungen in der Vielfalt der Gebäude verloren. Also frage ich Ladina:

„Gibt es irgendeinen Gegenstand, eine Figur oder eine Aussage, die wir wie die Sonne in unserem Planetensystem zentral in der Veranstaltung positionieren können?“

Sie zeigt mir, was sie bereits an grafischen Designs und Werbemitteln vorliegen haben. 

Die zündende Idee - Edys Heldenreise beginnt

In einem kleinen Prospekt für die Ski WM entdecke ich eine wunderschön gestaltete Logofigur. Einen in der Hocke behelmten Skifahrer, der im Schuss eine imaginäre Abfahrt hinunterrauscht. Er ist in blau und gelb gehalten, in kleinen, geometrischen Flächen gestaltet und erinnert mich an den Kubismus der zwanziger Jahre. Irgendwie ist dieser Skifahrer ultramodern, aber auch im Retro Design gestaltet. 

„Er hat Kraft“, sage ich zu Ladina. „Lass uns die Ausschreibung doch so formulieren, dass wir alle Marketingveranstaltungen und alle Werbung sowie die Eröffnungsshow, also einfach alles um eine dreidimensionale Figur dieses Skifahrers herumgruppieren. Lass uns diese Figur als Ur-Skifahrer bezeichnen, von dem alle Skifahrer in der Schweiz und der Welt abstammen. Lass uns wieder einen Glauben herstellen, die Skireligion neu befeuern.“ Ladina mag die Idee und wir bereiten die Ausschreibung darauf beruhend gemeinsam vor.

St. Moritz gewinnt die Ausschreibung zur Ski WM 2017

Kurze Zeit später meldet sich der Vorstandsvorsitzende und oberste Chef von Ladina. Sie haben die Ausschreibung gewonnen, aber der Tourismusverband von St. Moritz ist auch mit Unterstützung der Sponsoren nicht in der Lage, eine solch große Skifahrer Figur bauen zu lassen. Das sei absolut utopisch.

Stattdessen schlagen sie vor, den Ur-Skifahrer grafisch zu gestalten und über einen leistungsfähigen Beamer auf eine riesige Leinwand neben dem Veranstaltungsplatz zu projezieren. Das hätte die gleiche Wirkung, man müsse aber nicht den Kostenaufwand betreiben, eine solche Figur komplett zu entwickeln, aufzubauen und zu bespielen. 

Ich sage dem CEO Christoph, dass ich die finanziellen Überlegungen verstehe, aber dass unser Konzept dann nicht mehr funktionieren würde. Unsere Idee, St. Moritz, die Schweiz und das Engadin zu fördern, so dass eine großartige und sehr erfolgreiche Ski-Weltmeisterschaft stattfinden kann, ist mit einem gebeamten Skifahrer nicht umsetzbar. Christoph spricht mit dem Chef des Tourismusvereins, sie diskutieren heftig. 

Schließlich vereinbaren sie, dass wir mit der ganzen Führungsmannschaft nach Zürich fahren, damit wir darüber noch mal sprechen. Auch wenn schon feststeht, dass das Geld für das Skifahrermonument nicht zur Verfügung stehen wird. 

Ich bitte die Anwesenden darum, dass ich eine Viertelstunde bekomme, um zu erklären und nachzuweisen, dass es nur dann einen Erfolg geben wird, wenn wir diesen Skifahrer groß, stark und plastisch bauen. Ich erkläre wie St. Moritz mit Hilfe des Prinzips des „Costly Signaling“ der gesamten Ski Welt zeigen muss, wie potent, wie stark und mächtig ihr Glaube an den Skisport, ihre Dominanz und an St. Moritz ist. 

Wenn es nicht teuer ist und so in der Finanzierung schmerzt, dass es der Zuschauer, der Kunde und der Sponsor bemerken, ist es auch nicht teuer und wertvoll in der Außenwirkung. Nur genau aus dem Grund weil es teuer ist und eigentlich unbezahlbar, kann es seine Wirkung entfalten. 

Die Entscheidung ist gefallen, der hölzerne Skifahrer wird gebaut.

Alle hören mir aufmerksam zu. Dann ergreift der Jury-Vorsitzende das Wort. Er hört seinen Kollegen zu, sie diskutieren das Für und Wider, die Argumente, die ich vorgebracht habe. Ich merke: die Stimmung ist gekippt. Gegen den Skifahrer als echte Statue. Der Jury Vorsitzende bittet nun alle Abstimmenden den Daumen entweder nach oben oder nach unten zu halten, um eindeutig zu signalisieren, ob sie einer Umsetzung zustimmen oder sie ablehnen. Die Hände gehen hoch, die Daumen runter. Der Juryvorsitzende schaut nach links und nach rechts, dann nimmt er seinen Daumen nach oben und sagt: „Auch wenn meine Kolleginnen und Kollegen dagegen sind, weil die Finanzierung unser Budget übersteigt, so werden wir es dennoch umsetzen. Wir werden den Skifahrer bauen.“

Fast forward: Die Ski WM ist da und meine Frau und ich fahren in die Schweiz.

Tief hinein in die Berge, über nicht enden wollende, angsterregende Kurven, die in tiefe Täler schauen. Bis er sich uns eröffnet, der atemberaubende Blick in die heilige Welt des Skisports. Wir sind in St. Moritz angekommen.

Dort fahren wir mit einem Shuttle auf den Kulmplatz, das Zentrum der Ski WM. Eine riesige Bühne steht auf dem Platz, nebendran das berühmte Kulm-Hotel und noch faszinierender: unsere gigantische hölzerne Figur. 

Die Skifahrer-Statue steht mit einer Gesamthöhe von 19,5 Metern vor uns – komplett aus Fichtenholz gebaut. Hier treffen wir die anderen, den Eigentümer der Unterhaltungsfirma und den CEO Christoph, den Sohn des Unternehmers Oliver, der mich in dieses Projekt geholt hat, und die Projektleiterin Ladina. 

Gemeinsam betreten wir das innere Gerüst des Skifahrers. Treppenstufe um Treppenstufe steigen wir im Inneren dieser gigantischen Figur hinauf.

Wir passieren die erste Bühne, dann die zweite und sind schließlich sind im Kopf des Skifahrers, wo ein DJ die Decks fürs Warm up der Eröffnungsparty bedient. 

Zu The Weeknds „I feel it coming“ schauen wir über St. Moritz im Abendlicht, über die schneebedeckten Berge. Und sind alle tief erfüllt von dem Bewusstsein, dass es uns gelungen ist, diese ungeheuerliche Figur zum Leben zu erwecken. 

Die ganze Stadt ist aufgeregt. Unzählige Berichte – auch auf Social Media – dokumentieren den Skifahrer. Vor Ort gibt es eine Wall of Fame – wo alle Fotos gezeigt werden, die auf Instagram mit dem passenden Hashtag versehen sind. Alle Besucher machen Selfies mit der Statue – es entsteht ein Hype und der Plan geht auf.

Wie wir mit Storytelling die Eröffnungsshow geplant haben

Zu unser aller Freude haben die Schweizer, insbesondere die St. Moritzer Bürger, dem Skifahrer einen Namen gegeben. Er ist nicht mehr nur der Ur-Skifahrer, er ist jetzt der Ur-Skifahrer mit dem Namen „Edy“ nach Edy Reinalter, der großen Skilegende von St. Moritz. 

Wenige Stunden später findet die große Eröffnungsshow statt, die live im Schweizer Fernsehen gezeigt wird. Auch diese wurde von meinem Auftraggeber produziert. Auch dazu  hatten wir einen Storytelling-Workshop. Zusammen mit dem CEO, dem Autoren, dem Regisseur, dem Bühnenbildner, der Choreografin und dem Redakteur haben wir einen Tag lang  eine Show erfunden, die es so bisher noch nicht gab. Auch hier steht Edy oft im Mitttelpunkt.

Wir erzählen die Schöpfungsgeschichte vom Beginn des Urknalls, wie Wasser auf die Erde kommt, bis zur ersten Abfahrt eines Skifahrers und der Erfindung des Skisports in St. Moritz. Das Ganze wird gekrönt von dem Auftritt der größten Skistars aller Zeiten, die in Videos und auf den Bühnen im Ur-Skifahrer auftreten.

Wir erleben diese Show ganz vorne an der Bühne. Es ist klirrend kalt, aber so eine Belohnung zu sehen, wie alles zusammenkommt und die Menschen begeistert feiern. Wir sind erfüllt.

Gemeinsam für eine Sache – mit Intuition und den Werkzeugen des Geschichtenerzählens zum Ziel

Ladina hat es geschafft. Sie hat in wochen-, in monatelanger Arbeit etwas fast Unmögliches möglich gemacht. Genauso die Hersteller dieses ungeheuerlich schönen Holzmenschens, die Firma Aroma aus Zürich, sowie die Holzbaufirma von Andri Freund. 

So große Projekte und Erlebnisse sind immer das gemeinsame Werk vieler Menschen, die an eine Sache glauben. Ich bin überwältigt. Solche Momente sind das Elixier eines Menschenlebens.

Was ich dazu beigetragen habe ist, auf meine Intuition zu hören. Aber auch die Werkzeuge des Geschichtenerzählens bewusst einzusetzen, wie zum Beispiel die Heldenreise. 

Ein historischer Sprung für die Schweiz im Skisport

Als die Ski WM zu Ende geht, hat die Schweiz einen historischen Sprung gemacht. Hatten sie bei der zwei Jahre zuvor stattfindenden Ski WM nur drei Medaillen holen können, waren es diesmal sieben. Es fehlten Ihnen nur noch zwei Medaillen, um gleich auf zu sein mit der starken Sportnationalmannschaft von Österreich. 

Das ganze Ereignis wurde ein Riesenerfolg. Und es war mir eine Ehre, einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, um diese tolle Veranstaltung mit so ungeheuerlich klugen und leidenschaftlichen Menschen gemeinsam bereichert zu haben.

Pixar Storytelling

PIXAR Storytelling

Pixar Storytelling

Pixar Storytelling

Zu Gast bei Pixar. Ich erzähle Dir heute, wie Pixar es schafft, Geschichten zu erzählen, die uns bewegen. Und wie eine Campustour mein Full Circle Moment wurde.

Für mich war das Pixar Storytelling immer beispielhaft. Sowohl in der Verwendung der Heldenreise, als auch bezüglich ihrer Arbeitsweise. Denn gute Ergebnisse im Storytelling erreicht man nur, wenn man a) einen tollen Inhalt hat und b) diesen gut organisiert.

In ihren Workflows, Abläufen – und vor allem beim Anfassen ihrer Stoffe – hat Pixar eine Sache ganz anders gemacht.

Ihr Credo ist: Du musst die Sache leben. Du musst Anteile von Dir, Deinem Leben, Deinen Erlebnissen, Deinem Lebensschmerz und Deinen Sehnsüchten in den Stoff einbringen. 

Campus Tour

Die „Draw Together“ Wand auf dem Pixar Campus. Eine Employee Art Show, in der Mitarbeiter zeigen dürfen, was sie außerhalb der Pixar Welt Kreatives machen.

Wie Pixar Storytelling einsetzt: Geschichten erzählen am Beispiel von Findet Nemo

Bei „Findet Nemo“ war die zentrale Frage: „Wie kann ich eine Fischmetapher so entwickeln, dass sich alle Menschen darin wiederentdecken?“ Indem ich eine Eltern-Kind Geschichte daraus mache. Und zeige, wie ein traumatisches Erlebnis eine Fischfamilie in die Verzweiflung bringt. 

Uwe Walter Pixar

Guter-Vater-Regel: Komm niemals ohne Pixar Ballon von einer Geschäftsreise zurück.

Uwe Walter Storytelling

Als Nemos Mutter von einem Barrakuda gefressen wird, sind Vater und Sohn die einzigen Überlebenden. Sie müssen lernen, trotz dieses Schicksalsschlages zusammen weiterzumachen. 

Der Sohn hat als Überbleibsel des Traumas eine kleine schwache Flosse. Wie schafft es der übervorsichtige Vater nun, seinem Sohn einen mutigen Weg ins Leben zu eröffnen? Wie kriegt er es hin, dass der Junge in seine Selbständigkeit und seine Lebensenergie kommt? Wie ist ein Vater ein guter Papa? 

In 90 Minuten entwickeln sich Vater und Sohn in ihren beiden Heldenreisen – getrennt voneinander, aber auch gemeinsam. Dabei ist die Struktur der Geschichte von immenser Bedeutung. 

Pixar Rules of Storytelling

Wie Pixar über Struktur denkt – und diese bei der Geschichte Findet Nemo nochmal komplett geändert hat – seht ihr in diesem wunderbaren Film von vier Minuten Länge. Give it a chance:

Find your voice.

Alle Pixar Geschichten lehren, wie man zur eigenen Stimme findet, in die eigene Selbstwirksamkeit kommt. Aber vielleicht noch viel wichtiger: Wie man in die eigene Energie kommt.

Wie kommt Energie in mein Leben? Oder bleibe ich traurig und erschöpft und blockiert?

Auf dem PIXAR Campus gibt es wöchentlich tierischen Besuch. Der Kontakt zu Tieren ist ein natürlicher Moodbuster und lockert das Mindset auf.

Pixar Swimming Pool

Für alle verfügbar: der campuseigene Swimming Pool für ein bisschen Bewegung und ein körperliches „Rauskommen“, bei dem schon viele Ideen entstanden sind. Einen Basketballplatz gibt es übrigens auch.

Wie gelange ich an diesen magischen Ort?

Wie alle Eltern haben auch wir unseren Kindern immer gerne die Pixarfilme gezeigt. Für mich war es schon lange ein Traum, meine Kinder einmal an diesen magischen Ort zu führen, an dem die Filme entstehen – und die Menschen dort kennenzulernen. Weil ich mir das auch immer selber erträumt habe.

Aber: bei Pixar gibt es keine Führungen. Man kann keine Tickets kaufen. Ich musste also einen Weg finden, ohne Vitamin B oder Empfehlung eine Brücke zu bauen.  

Aus Erfahrung weiß ich, dass keine Firma kalt und distanziert ist. Denn es gibt immer Menschen, die den Traum leben, an dem Du teilhaben möchtest – und zum Beispiel bei Pixar arbeiten. Ich habe viel recherchiert und eine wunderbare Pixar Mitarbeiterin bei einem Vortrag in Deutschland besucht. Habe sie schon davor angeschrieben, sie dann dort auf einen Kaffee getroffen – und später, nachdem wir eine Beziehung zueinander aufgebaut hatten, in San Francisco bei Pixar besucht.  

Eine langersehnte Pixar Tour mit meiner Familie

2019 bin ich mit meiner Familie auf den Pixar Campus zurückgekehrt. Alleine die Einfahrt durch das Tor ist ein Erlebnis. Voller Stolz haben wir uns unsere Namensschilder angeheftet – natürlich mit PIXAR Charakter.

Pixar Filme Studio Tour

Die Pixar Wahrzeichen

Haben die übergroßen Wahrzeichen von Pixar, die Lampe und den Ball aus dem ersten Trickfilm “Luxo Jr.“ bewundert.

Pixar Wahrzeichen Lampe
Pixar Wahrzeichen Ball

Im Steve Jobs Building

Sind ehrfürchtig ins Steve Jobs Building eingetreten und haben die Oscars bestaunt.

Steve Jobs Building bei Pixar
Pixar Marketing Storytelling
Pixar Academy Awards Oscars
Pixar Studios Cafeteria

Seht ihr die Cafeteria? Fun fact: Hier unten sind auch die einzigen Toiletten des Gebäudes. Die wurden extra so positioniert, damit jeder Mitarbeiter im Laufe des Tages mehrfach seine Abteilung verlassen muss und die Chance hat, andere Menschen informell zu treffen. Auf den Gängen, im Atrium, beim Händewaschen oder beim Kaffee holen.

Pixar Geschichten erzählen

Danach haben wir – Treppe hoch – die aktuelle Ausstellung vom Making of einiger Pixar Filme angeschaut. Da durften wir keine Fotos mehr machen – denn es ging viel um die Arbeitsweise von Pixar. Die Tricks, mit denen die Designer die Charaktere so nahbar machen: vom 3D-Modeling über Costume Design, den Einsatz von Licht , Charakterstudien, Pixars Rules of Storytelling und Dramaturgie. 

Pixar Treppenhaus

Auch wenn wir wussten, dass viel Arbeit in so einen Film fließt, haben wir doch gestaunt, WIE die Designer und Story Developer zu ihren Ergebnissen kommen. Die Workflows und die Detailverliebtheit sind wirklich einzigartig.

Dann sind wir einmal quer über den Campus, in das Gebäude in dem auch das Riesenkino untergebracht ist, in dem die Pixar Mitarbeiter ihre Filme während des Developments in verschiedenen Stadien immer wieder anschauen, um Entscheidungen zu treffen.

Nach diesem tollen Tag haben wir uns abends als Familien – die Familie der PIXAR Mitarbeiterin und unsere Familie – zum Abendessen getroffen. 

Mein Full Circle Moment

Für mich war die Pixar Tour mit meiner Familie ein absoluter Full Circle Moment. Fast, als hätte die stärkende Kraft der Pixargeschichten sich auf meine Mission, diese Welt meinen Kindern zugänglich zu machen, übertragen. Ein wirklich unvergessliches Erlebnis, für das ich immer dankbar sein werde.

Zum Abschluss ist hier eine Video-Campustour, die dem, was wir gesehen haben, ziemlich nahekommt:

Storytelling Buchhandel Marketing

Marketing Ideen Buchhandlung

Buchhandlung Storytelling Beispiele
Buchhandel Marketing Tipps
Buchhandel Marketing Beispiele
Buchhandlung Marketing Beispiele

Marketing Buchhandel

Marketing Ideen für Buchhandlungen am Beispiel der Traditionsbuchhandlung „Strand“ in New York

Die Traditionsbuchhandlung „Strand“ in New York gibt es jetzt seit 93 Jahren – nicht zuletzt wegen ihres hervorragenden Marketings. Kreative Marketing Ideen für die gesamte Buchbranche, die wir uns heute genauer anschauen.

Die Plätze auf den Auslagetischen der Buchhandlung sind besonders heiß begehrt – denn hier sehen die Kunden das komplette Cover und nicht nur den Buchrücken. Während die Tische im Strand Bookstore nach Themen sortiert sind, helfen die auffälligen, gelben Karten zusätzlich, Art und Inhalt der Bücher auf einen Blick zu vermitteln.

Spannend: Die auf die Karten gedruckten Sprüche sind deshalb so treffend, weil sie nicht „ausgedacht“, sondern von echten Lesern inspiriert sind. Ich habe bei den Buchhändlerinnen im Store nachgefragt.

„Wir bekommen täglich Feedback von unseren Kunden, wie sie gerade gelesene Bücher fanden. Oft erzählen sie uns sogar kleine Geschichten. Wo sie das Buch gelesen haben, in welcher emotionalen Stimmung sie sich dabei befunden haben, was sie besonders fanden. Daraus entnehmen wir dann kleine Zitate, Hinweise und Empfehlungen, die Buchtitel und -cover stimmig ergänzen.“

Marketing Buchhandel – Mit Visual Storytelling Kunden zu Fans machen

Das Sammeln von Kundenfeedback und das Aufschreiben eigener Ideen für die gelben Marketingkarten haben sich alle, die im Strand Bookstore arbeiten, zur Routine gemacht.

„Wir treffen uns regelmäßig, um über neue Ideen für Karten zu diskutieren – da bringt dann jeder seine Sammlung mit. Die Spitzenreiter-Sprüche werden gestaltet, ausgedruckt und auf die Titel im Store verteilt.“

Dabei gibt es wiederkehrende Themencluster, zum Beispiel Stimmungsbilder („Rainy day read“), das Buch als Ich-Erzähler („Im the one your friend was telling you about“) und Anmerkungen zur Länge („Size does not matter“). Aber es sind auch viele ganz individuelle, witzige und „quirky“ Sprüche dabei. Schaut mal die Fotogalerie durch.

Der „Strand“ Store ist inhabergeführt in dritter Generation von Nancy Bass.

Strand Books New York

„Gerade in Zeiten von Amazon und Co. ist es für die Buchhandlungen wichtig, die Rolle eines „Community Centers“ auszufüllen und sich als Ort der Begegnung zu verstehen.“

Im Video erzählt Nancy ein bisschen darüber, wie sie das Strand zu einem Teil von New York gemacht hat – und wie es ist, im Strand Bookstore beraten zu werden und Bücher zu kaufen.

Review-Regale mit Zusammenfassungen der Buchhändler

Neben den Tischen gibt es spezielle Review-Regale, die mit Zusammenfassungen der Buchhändler bestückt sind. Diese schreiben ihre ganz persönlichen Leseeindrücke auf Karteikarten und stecken sie hinter eine Plexiglasscheibe zum Buch.

Buchmarketing Buchhandel

Tolles Storytelling:

Auf den Karten sind kleine Fotos der Buchhändler sowie ihr Name zu sehen, so dass man direkt weiß, von wem der Tipp kommt. Oft gekoppelt mit Hinweisen, wo die Personen zu finden sind.

Was ich hier besonders mag: Jeder bringt seinen ganz persönlichen Stil und seine Vorlieben mit in die Reviews ein. Halt typisch New York.

Marketing Buchhandel
Marketing Buchhändler
Marketing Ideen Buchhandel

Storytelling im deutschen Buchhandel

Übrigens – auch deutsche Buchläden haben richtig gute Ideen. Im „Siebter Himmel“ in Köln werden zur jecken Jahreszeit den Büchern Clownsnasen aufgesetzt. Und aktuelle Besprechungen aus dem Feuilleton stehen praktischerweise direkt hinter dem Titel im Regal. Einfach rausnehmen, durchlesen und kaufen.

Buchmarketing Deutschland

Was ist im Strand Bookstore noch besonders beim Buch Marketing?

1. Der geniale Slogan „18 Miles of Books”

Der Slogan stimmt zwar sicher nur, wenn man die Regalbretter einzeln abgehen würde, aber haften bleibt er trotzdem. Und: man kann sich so – auch ohne jemals vor Ort gewesen zu sein – vorstellen, wie es sich anfühlt, durch die engen Regalschluchten zu wandeln.

Buchhandlung Storytelling Deutschland

2. Die Rare Books Section

Sicher auch einzigartig: die Rare Books Section, die nur mit dem Fahrstuhl zu erreichen ist, und in der sich auch schon mal eine Erstausgabe von „Catcher in the Rye“ versteckt. Während man im Erdgeschoss eher im Konsumtempel ist, spürt man hier die Wichtigkeit jedes einzelnen Wortes, die Bedeutung jedes einzelnen Buches.

Strand Bookstore NYC

3. Sehr amerikanisch, aber eine tolle Idee – “Books by the Foot”.

Eine vom Strand angebotene Dienstleistung, bei der sich Kunden individuelle Buchsammlungen zusammenstellen lassen können (nach Interesse, Genre, Farbe sortiert). Und: als Innenarchitekt, Set Designer oder für öffentliche Veranstaltungen kann man solche Sammlungen auch mieten.

Strand Bookstore New York
Ideen Design Thinking Stanford

Design Thinking Workshop an der Stanford Universität

Design Thinking Prozess Stanford

Design Thinking Prozess

Design Thinking Workshop an der Stanford Universität

Kennengelernt habe ich die Methode bei einem Design Thinking Workshop an der Uni Liechtenstein bei Professor Larry Leifer von der Stanford University. Und gleich verstanden:

Design Thinking ist nicht nur ein Methodenbündel, sondern eine Lebenseinstellung.

Dem zugrunde liegt die Haltung, Menschen zu mögen. Zu sagen: Jeder Mensch ist wichtig. Jedes Team kann kreativ sein – wie bei den Fab Four, den Beatles. Kein einzelner Beatle wäre so berühmt geworden, wie die vier zusammen. Weil sie sich in ihren Talenten und ihrer Kreativität optimal ergänzt haben.

Uwe Walter und Larry Leifer in Stanford beim Design Thinking Workshop
Design Thinking Workshop bei Larry Leifer von der Standford Universität.

Besuch bei Larry in Stanford

Nach der Veranstaltung war ich so fasziniert, dass ich Larry in Stanford besucht habe. Er hat mich in ein Projekt seiner Klasse ME 310 (ME steht für Mechanical Engineering) eingeladen. Diese hat viele Kooperationen mit großen Konzernen wie BASF, Philipps oder IKEA. In Workshops beschäftigen sich die Teilnehmer im Sinne von Design Thinking mit Fragestellungen der Industrie.

Meine Erkenntnisse als Coach über den Design Thinking Prozess, jeden Schritt, jede Phase und die Magie der Innovation möchte ich heute gerne mit Dir teilen.

Uwe Walter Storytelling Coach
d-school Stanford University
Design Thinking Phasen Larry Stanford
Larry Leifer unterrichtet die Klasse ME 310 an der d.school (School of Design Thinking) im Hasso Plattner Institut in Stanford.

Wie geht Design Thinking?

Wie entwickele ich etwas für einen Kunden? Und wie setze ich diesen Kunden radikal in den Mittelpunkt? Indem ich ihn definiere und ein Interview mit ihm mache. Ihn kennenlerne und ihn frage, welche Probleme er hat – oder wie er zu einem bestimmten Problem, einer Herausforderung steht.

Aus diesem Kennenlernen des Kunden, diesem hemmungslosen Hinhorchen, diesem tiefgründigen Verstehen, was der Kunde will (und wie er es will), kann ich Lösungen ableiten. Aber zuerst muss ich verstehen, wie er handelt, denkt und fühlt. Empathie spielt bei jedem Design Thinking Prozess eine bedeutende Rolle.

Ein berühmtes Design Thinking Beispiel:

Es kommt immer wieder vor, dass Kinder Schwierigkeiten mit CT Untersuchungen haben. Der umlaufende Elektromotor und der Scanner, der sich in einer Turbine dreht, machen solch einen Lärm, dass die Kinder auf der Trage Ängste bekommen. Sie weinen, sind verzweifelt und wollen nicht in das CT geschoben werden.

Das führt dazu, dass die betriebswirtschaftliche Kalkulation nicht mehr funktioniert. Würde man für eine sinnvolle Auslastung beispielsweise jede halbe Stunde einen neuen Patienten ins CT schieben, ist das mit weinenden Kindern natürlich nicht mehr möglich – und das Gerät amortisiert sich nicht.

Also hat man beim Design Thinking Prozess überlegt:

Was müssen wir tun, damit die Kinder mit dem CT besser klarkommen?

Bei Gesprächen mit den Kindern haben diese erzählt, dass sie Angst vor dem Gerät haben, weil sie nicht wissen, was mit ihnen passiert. Also hat man eine Geschichte erfunden und die CTs bemalt, zum Beispiel wie ein Schiff mit einem Bullauge. Dann wurde den Kindern ein Spiel passend zur Bemalung angeboten, um sie von ihren Ängsten abzulenken.

Ein schönes Beispiel von Astrid Piskora (CSR, Disney):

Noch besser hat es Disney im Jahr 2019 im Deutschen Herzzentrum München umgesetzt, um Kindern die Angst vorm MRT (Kernspin) zu nehmen. Hier kommen den Kindern Disney Helden zur Hilfe.

Während der Untersuchung können die Kinder über eine spezielle VR-Brille (ohne Metallteile), beliebte Disney Serien und Filme anschauen. Die Helden erscheinen den Kindern durch die Video-Brille wie auf einer Kino-Leinwand, die drei Meter entfernt steht. Bereits vor der Untersuchung dürfen die Kinder einen Disney Film aus der DVD-Sammlung aussuchen und werden so vor der bevorstehenden Untersuchung auf schöne Gedanken gebracht. 

Disney MRT

Beide Bilder ©The Walt Disney Company (Germany) GmbH

Design Thinking anwenden

Natürlich können wir Design Thinking auch nutzen, um andere Dinge als „nur“ Industrieprodukte zu entwickeln. Wir könnten das Prinzip anwenden, um Filme zu entwickeln.

Ich kann zum Beispiel Ehepaare befragen, wie sie Partnerschaft erleben, was sie unter Liebe verstehen, wie sie Intimität und Gespräche erleben. Wie teilen sie ihren Lebensraum miteinander? Auf welche Weise verbringen sie Zeit miteinander? Wie setzen sie ihre Lebensträume um? Und wie nehmen sie wechselseitig Energien und Nähe wahr?

Aus diesen Befragungen der Zielgruppe kann ich Muster ableiten, was genau die Herausforderungen von Ehepaaren sind. Dann Ideen entwickeln, welche Geschichte ihnen gut tun würden – und diese in Form eines heilsamen Films erzählen. Aber Stoffe so zu entwickeln ist noch nicht üblich.

In der Industrie schon. Da finden die Meinungsforscher heraus „Frauen mit dünnen Haaren hätten gerne mehr Volumen“. Und die Produktentwickler überlegen sich, wie sie für dieses Problem ein Produkt wie zum Beispiel einen speziellen Lockenstab maßschneidern können. 

Verstehen, Empathie, Synthese, Ideen, Prototyping, Testen

Design Thinking Prozess Phasen

Im Design Thinking Workshop der d.school in Stanford

Es war ein ungeheuerliches Erlebnis zu sehen, wie produktiv kleine Teams werden, wenn sie mit der Design Thinking Methode arbeiten. In dem Workshop, den ich besuchen durfte, haben sich Teilnehmer verschiedener Firmen mit dem Thema „alt sein“ beschäftigt. Dazu gingen sie in Altenheime, haben mit den Seniorinnen und Senioren geredet und diese gefilmt, um ergebnisoffen herauszufinden „Was sind die Bedürfnisse von alten Menschen?“

„Was sind die Bedürfnisse von alten Menschen?“

Theoretisch hätte alles dabei herauskommen können. Die einzige Maßgabe war: „Beschäftige Dich mit alten Menschen.

Mit Empathie und Verständnis zur Lösung.

Eine in den Gesprächen wiederkehrende Herausforderung war, dass alte Menschen, die alleine wohnen und nicht mehr gut zu Fuß sind, häufig Rollatoren brauchen.

Wenn sie auf die Toilette gehen wollen, haben sie ein Problem mit der Tür, die ja einmal zum Körper hin aufgeht und damit eine Barriere darstellt. Die Frage war: Wie können wir diese Barriere wegbekommen?

Bei den Befragungen hat das Projektteam herausgefunden: Alte Menschen wohnen in der Regel in zwei bis drei Zimmer Wohnungen, haben also fünf bis sechs Türen, deren Bedienung sie bewerkstelligen müssen. Auch wenn manche Türen offenbleiben können – andere können es eben nicht. Also das Projektteam überlegt: Wie viel Geld haben die alten Menschen im Durchschnitt an Rente zur Verfügung? Sind sie Mieter oder gehört ihnen die Wohnung?

Wie schaffe ich ein Problem mit einer Lösung aus der Welt?

Am Ende haben sie herausgefunden, dass die Senioren bei dem, was sie an Rente haben, für einen Türöffnungsmechanismus nicht mehr als 100 $ ausgeben können. Wenn sie sterben oder umziehen, muss der Türöffnungsmechanismus einfach und bestenfalls rückstandslos abbaubar sein. Es war also klar: Löcher bohren und anschrauben kommt nicht in Frage. Es muss eine Lösung sein, bei der der Mechanismus geklebt wird.

So entstand ein sehr genaues Profil und das Team hat dann genau solch einen Mechanismus entwickelt und als Prototyp gebaut. Spannend ist, dass in der Gruppe nur ein Ingenieur war – ein anderes Mitglied war zum Beispiel Fußballspielerin. Aber bei Design Thinking geht es eben um mehr als die reine Funktion – es geht um die ganzheitliche Betrachtung eines Nutzens. Außen wie innen. Wie schaffe ich ein Problem mit einer Lösung aus der Welt?

Dieses „Entwicklungsdenken“, dieser Weg von der Frage zur Antwort, vom Mangel zur Lösung – das ist auch das Geheimnis das jede Geschichte präsentiert.

Design Thinking und Storytelling sind wie narrative Zwillinge. Nur dass beim Design Thinking Prinzip die Probleme im realen Leben praktisch gelöst werden. Und beim Storytelling eine Lösung, ein Gedankenspiel angeboten wird. Zwei Tools, die sich ideal ergänzen.

Die d.school in Stanford – Einblicke in die Räumlichkeiten

Leland Stanford hat die Stanford University gegründet, weil sein einziger Sohn gestorben ist. Sein Kind war so neugierig und interessiert, dass die Eröffnung einer Universität zu seinen Ehren eine tröstende und Hoffnung erweckende Aufgabe war.

Ideen Design Thinking Stanford
Die Stanford Memorial Church und Campus.
Design Thinking Stanford University

Unterschiedlichen Welten gemeinsam an einem Ort

Stanford wurde als „Harvard des Westens“ geplant und besteht aus vielen kleinen Seminargebäuden im mexikanischen Stil. Die d.school ist im Zentrum des Kerncampus.

Hasso Plattner Institut Design Stanford
Design Thinking Workshops Idee

Die eine Hälfte des Gebäudes ist von Designern belegt, die andere Hälfte von Maschinenbauern. Inmitten des Erdgeschosses befindet sich eine Halle, die beide Teile verbindet und in der man sich begegnen kann. 

Hier treffen die unterschiedlichen Welten im öffentlichen Raum aufeinander – bei Events, Vorträgen und Präsentationen.

Thinking Prozess Phasen

Drumherum sind lauter multifunktionale Räume angeordnet, die ständig neu belegt werden. Morgens macht eine Gruppe Yoga, eine Stunde später ist ein Design Thinking Workshop, dann findet eine Vorlesung statt.

Im ersten Stock ist der Arbeitsbereich mit den flexibel einsetzbaren Wänden. Denn die Idee beim Design Thinking ist: Du hast einen flexiblen Raum, wo Du einen Workshop machen kannst – aber auch zehn Workshops gleichzeitig. Damit Du den Raum aufteilen kannst, damit er mal größer und mal kleiner ist, brauchst Du flexible Trennwände. Deshalb ist an der Decke ein Schienensystem installiert, um die Räume jederzeit nach Bedarf unterteilen zu können. Die Trennwände lagern stehend in speziellen Wägen und können einfach zum Aufhängungsort gefahren werden.

Jeder Raum ist wie eine kleine Bühne, auf der nur ein Problem gelöst wird. Daran arbeiten alle kooperativ im Stehen, an Stehtischen. An die flexiblen Wände kleben die Teilnehmer bunte Zettel, die farblich sortiert werden – immer von Hand geschrieben. Diese händische Zusammenarbeit an Whiteboards, mit abwischbaren Stiften und Post its macht Spaß und entzündet die Kreativität.

Stanford Räume

Kreativität statt Materialismus

Es soll alles nicht viel Geld kosten, damit die Teams nicht aus Respekt vor dem Material ihre Ideen unterdrücken. Die Materialien sollen einfach da sein und genutzt werden, um die Probleme zu lösen – und nicht als wertvolles Gut wahrgenommen werden, das man besser nicht anfasst.

In der d.school wird alles dafür getan, einen provisorischen Workshopcharakter zu vermitteln. So trauen sich die Teams, Dummmies und Prototypen aus einfachen Mitteln zu bauen, die nicht schön sein müssen.

Kreative Ideen Workshops

Ganz wichtig, damit die Funktionalität der d.school Räumlichkeiten immer erhalten bleibt, sind die Floorplans. Auf ihnen ist der Ruhezustand des Raumes festgehalten. Grundrisse mit genauen Angaben, wo was hingehört und wie der Raum verlassen werden muss.

Denn auch, wenn in den Workshops die Räume auf jede mögliche Art genutzt werden und die Teams alles durcheinanderwirbeln dürfen: am Ende muss alles wieder genau wie auf dem Floorplan angeordnet werden.

d.school Stanford Workshop Larry Leifer

So bleibt auch die Energie und der Nutzen der Räume voll erhalten und kann dem nächsten Team bei seinen Herausforderungen die volle Unterstützung bieten. 

Storytelling Museum digital Storytelling

Storytelling im Museum

Storytelling Museum digital Storytelling

Storytelling im Museum

Wie wir mit einem Publikumsliebling noch mehr Besucher begeistern 

Der Blauwal im Museum of Natural History in New York City ist ein echter „People Magnet“. Von seiner Form über die Farbe bis hin zur Installation im Raum haben sich viele Experten mit all ihrer Leidenschaft reingekniet, um den Blauwal zu einem faszinierenden Anziehungspunkt zu machen. Als er im November 1968 aufgehängt wird, kommen am darauffolgenden Sonntag mehr als 35.000 Menschen ins Museum – ein Besucherrekord. Ein Beispiel für gutes Storytelling im Museum.

Egal wo in der „Irma and Paul Milstein Family Hall of Ocean Life“ ich mich befinde, ich erlebe den Wal immer wieder neu.

Auf der oberen Etage umrunde ich ihn einmal und bin überrascht, wie biegsam solch ein großes Tier ist. Dann, die Treppe runter, komme ich ihm mit jedem Schritt näher – bis ich direkt unter ihm stehe. Staunend schaue ich hoch und bin tief berührt von diesem sanften Riesen.

Wie schwerelos hängt er im abgedunkelten Raum und ich bin mir sicher: Das ist der eine magische Moment in meinem Leben, in dem ich einem Blauwal so nahe komme.

Digital Storytelling im Museum

Aber warum ist das Blauwal-Modell so imposant?

Weil es mit viel positiver Schaffenskraft und Liebe zum Detail entsteht. Mitte der 60er Jahre haben wir Menschen zwar schon Fuß auf den Mond gesetzt, aber noch keinen Blauwal unter Wasser beobachtet. Daher ist das Abbild auch nur eine Momentaufnahme unseres damaligen Wissensstands. Und der beruht hauptsächlich auf dem Fund eines verstorbenen Blauwal-Weibchens im Jahr 1925.

Heute haben wir viel mehr Informationen über Blauwale in ihrem natürlichen Lebensraum, die regelmäßig zu Updates am New Yorker Wal führen. Das Geschichtenerzählen über den Gigant der Meere macht keine Pause. 

So wird bei der Restaurierung im Jahr 2000 aus dem bestehenden Modell ein neuer Wal herausgearbeitet. Mit einer anders geformten Schwimmflosse, weniger stark hervortretenden Augen und dem zuvor vergessenen Bauchnabel wird der Wal genauso für zukünftige Besucherströme fit gemacht. Wie durch einen komplett neuen Anstrich.

Storytelling im Museum:
Digital Storytelling und Transmedia Storytelling

Auch hier punktet der Wal. Die beständige Arbeit am Wal überträgt sich energetisch. Wir Besucher merken: „Die kümmern sich gut um unseren Wal“.

Youtube

Und schalten uns beim alljährlichen Facebook-Live-Event dazu, wenn der Blauwal von einem Museumsmitarbeiter im Kranwagen gewaschen und für seine Besucher herausgeputzt wird.

Publikumszeitschriften

Sogar für große Publikumszeitschriften wie die New York Times bleibt der Wal ein liebgewonnener „Talk of the Town“. Ein Symbol für die wissbegierigen Besucher aus der eigenen Stadt und aus aller Welt, dem die Times im April 2014 wieder einen eigenen Artikel gewidmet hat. Im Mai 2017 erzählt die Times ausführlich in einem exklusiven Artikel von der Kunst der Blauwal-Reinigung.

Social Media – Instagram

Der Wal ist Kult – und damit ein Evergreen-Exponat, das jeden Tag eine Rolle im Leben vieler Menschen spielt, die auf Social Media aktiv sind. Und die Kunde des Wals in die Welt tragen. Mit GIFs in ihren Instagram Stories und Hashtags für Selfies vor dem Blauwal erzählen sie aller Welt vom Blauwal. 

Blauwal Giphy

(Das Blue Whale GIF vom American Museum of Natural History @amnh nutzen die Fans in ihren Insta-Stories.)

Wie Exponate Besucherstürme hervorrufen

Generell gilt: Je mehr ich in die Entwicklung einer Exponatgeschichte investiere und kreative Inhalte gestalte, desto mehr bereichert sie danach das Leben meiner Zuhörer – und stützt den Erfolg des Museums. Storytelling im Museum ist ein wichtiger Bestandteil in der Kommunikation.

Besucher werden langfristig zu Fans und ich verkaufe mehr Eintrittskarten.

Wenn Du mehr über die Geschichte des Blauwalmodells erfahren willst, lohnt es sich, diesen Film vom American Museum of Natural History auf Youtube anzuschauen.

Geschichten erzählen lernen – die Storytelling Masterclass

Hast Du auch einen „Blauwal“, ein High Concept, einen People Magnet in Deinem Unternehmen oder Projekt? Du arbeitest im Kulturmanagement und möchtest neue Erzählweisen für Exponate lernen? Ich zeige Dir, wie Du Storytelling und Digital Storytelling in der Branche Kunst und Kultur anwenden kannst: